Über mich

IMG_0347Auszug aus meinem Buch:

Über mich

„Meine erste Panikattacke hatte ich mit 19 Jahren. Sie schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel an einem Sonntagnachmittag ein. Plötzlich hatte ich den Gedanken, mein Kopf könnte von einer schweren Krankheit betroffen sein, so dass ich jetzt sterbe. Dabei hatte ich keinerlei Symptome, nicht einmal Kopfschmerzen. Einfach die Möglichkeit, hier und jetzt aus dem Leben scheiden zu können, versetzte mich so in Panik, dass mein damaliger Lebenspartner stundenlang nicht von meiner Seite weichen und daher auch seinen Schichtdienst nicht antreten konnte. Die Angst begleitete mich seitdem fast 30 Jahre lang, saß mir nahezu jeden Tag im Nacken und schrie mir etwas zu, was ich nicht hören konnte. Niemand sagte mir damals, dass die Angst mir etwas mitteilen möchte. Also blieb sie all die Jahre und sorgte dafür, dass jeder Schritt in meinem Leben außerordentlich beschwerlich war. Oft hatte die Angst mich so im Griff, dass ich das Haus nicht mehr verlassen konnte. Oft war ich völlig verzweifelt und manchmal wollte ich auch sterben. Ich dachte, warum kann ich nicht eine Krankheit oder irgendeine Behinderung haben? Dagegen kann man etwas tun, therapieren, behandeln oder operieren. Aber hier? Ich konnte die Angst nicht greifen, nicht erklären und somit auch nicht angehen. Ich glaubte, ich würde wahnsinnig werden.

Und doch hatte nie irgendjemand in meinem näheren Umfeld etwas davon mitbekommen. Nur mein damaliger Lebenspartner wusste davon. Was ich jedoch tatsächlich durchmachte, welche Seelenqualen ich ertrug, wusste auch er nicht. Denn das Problem ist, dass das niemand verstehen kann, der nicht selber durch diese Todesängste gegangen ist. Sie sind nun einmal irreal und somit für andere Menschen nicht nachvollziehbar. Andere können nur trösten und in unserer Nähe sein. Und das ist auch schon viel, denn mit uns ist nicht leicht auszukommen.

Obwohl meine Mutter auch unter dieser Angst leidet, haben wir nicht viel darüber gesprochen. Das ist sehr schade, denn es half mir immer sehr. Überhaupt war ich froh, wenn ich jemanden traf, der das gleiche Problem hatte, und in der Lage war, darüber zu sprechen. Ich fühlte mich dann irgendwie normaler. Ich war also nicht verrückt, dachte ich. Es beruhigte mich sehr, denn schließlich lebte dieser andere Mensch trotz seiner Attacken ja auch noch. Vielleicht führt dieses Ziehen im linken Arm oder ein Stich in der Brustgegend doch nicht gleich zum Herzinfarkt. Die Wahrscheinlichkeit, jetzt oder demnächst an irgendwelchen Symptomen zu sterben wurde dadurch geringer, weil andere die gleichen Sorgen hatten. Panikattacken zu haben und Hypochonder zu sein gehörten irgendwie zusammen. Alles ganz normal, wiegelte ich ab und konnte dann auch ab und zu über meine eigenen Ängste lachen.

Fast drei Jahrzehnte versuchte ich, trotz meiner Ängste ein „normales” Leben zu führen. Es gelang mir mal mehr und mal weniger. Ich hatte, wenn man es von außen betrachtet, ein sehr bewegtes Leben. Rückblickend kann ich sagen, dass es meistens ein einziger Kampf war. Ein Kampf ums Überleben und gleichzeitig ein Kampf gegen das Leben. Ich habe den Fluss des Lebens nicht gesehen und verstanden, und deshalb schrie mich die Angst ständig an…“

Jetzt bin ich endlich frei und. möchte hier mit euch teilen, wie man aus dieser Angst herauskommt.