Verstand, Zeit, Schmerz und Angst

Als ich im März 2016 das Buch „Die Kraft der Gegenwart“ von Eckart Tolle las, gab es so etwas wie einen weiteren Bewusstseinsschub. Ich machte bis dahin nun schon sechs Jahre intensiv Yoga/Meditation, arbeitete als Yoga-Lehrerin und begleitete diesen praktischen Teil (Asanas, Pranayama, Meditation…) mit der entsprechende Yoga-Literatur. 

Die Yoga-Bücher (Bhagavad Gita, Upanishaden, Yoga-Sutras des Patanjali…) haben ihren Ursprung in einer mir völlig fremden Kultur und daher hinterließen sie bei mir oft viele Fragezeichen. Bei Eckhart Tolle nun stieß ich auf die gleiche Weisheit, nur für mich viel einfacher und zugänglicher ausgedrückt. Durch die jahrelange Beschäftigung mit Yoga begriff ich sofort, wovon Eckhart Tolle sprach und ich musste nicht erst noch darüber nachdenken. 

Diese neue und so entspannte Sichtweise auf das gleiche Thema, nämlich wer oder was wir wirklich sind, führte dazu, dass ich mit Hilfe seines Buches meinen Körper und Verstand nun wie ein Chirurg noch intensiver beobachten und untersuchen konnte. 

Begriffe wie Zeit und Raum wurden von mir ganz neu erfahren. Ein weiterer wichtiger Punkt für mich war der „Schmerzkörper“, den er immer wieder in seinem Buch erwähnte. Ich lernte meinen Körper und seine Schmerzen neu kennen. Ich lernte, Schmerz vollkommen zu akzeptieren und ihm zuzuhören, genauso wie meiner Angst. Ich lernte, dass der Schmerz und meine Angst meine besten Lehrer sind, um in der Wirklichkeit, dem Jetzt, anzukommen.  

Nicht nur dem Yoga und den vielen weisen Yogis, von denen ich hier schon berichtete, sondern auch Eckhart Tolles Buch habe ich es am Ende zu verdanken, dass ich aufwachen durfte. Er ist ein wunderbarer weiser Lehrer. 

Als ich sein Buch las, machte ich mir natürlich wieder Notizen – wie so oft – und ich fertigte mir sogar Zeichnungen an, um es mir endgültig einprägen zu können. Hätte ich gekonnt, so hätte ich das am liebsten in meinen Verstand direkt hineingemeisselt, aber leider ist das ja nicht möglich. 

Tagebuch 13.06.2016:

Der Verstand ist

  1. etwas POSITIVES, wenn man ihn als Instrument benutzt
  2. etwas NEGATIVES, wenn er es ist, der dich benutzt, weil du glaubst, dass du der Verstand bist. Das ist eine WAHNIDEE, die dem Verstand MACHT über dich gibt. 

Wie kommt man da heraus?

Es gibt eine höhere Bewusstseinsebene, mit einer höheren Intelligenz, die den Verstand beobachten kann. 

Diese höhere Bewusstseinsebene 

  1. sorgt dafür, dass man erkennt, dass man nicht der Verstand ist und
  2. beinhaltet all das, was man nicht im Verstand findet, nämlich Schönheit, Liebe, Kreativität, Freude, Frieden.“

Tagebuch 13.07.2016:

ZEIT 

existiert nur im Zusammenhang mit dem Verstand. 

Der Verstand benutzt die 

  1. VERGANGENHEIT, um ein Ego aufzubauen und so etwas wie ein ICH zu kreieren,  
  2. ZUKUNFT, um ein Verlangen nach äußeren Dingen zu schaffen als Ersatz für die Freude des Seins.

Letzteres ist das, was immer zu Schmerz (auch emotionalem) und Krankheit führt. 

Das BEWUSSTSEIN selbst ist immer im JETZT

Deshalb beobachte deinen Verstand und werde gegenwärtig. 

Auch das Verlangen und die Suche nach Erleuchtung ist ein Wunsch. Deshalb bemühe dich nicht darum. 

SCHMERZ kommt 

  1. entweder aus der Vergangenheit, lebt aber im Verstand und Körper weiter, und Ziel muss es sein, diesen aufzulösen,
  2. oder ich schaffe ihn gerade jetzt neu und dann ist es das Ziel, diesen zu beenden. 

Schmerz entspringt aus der Ablehnung dessen, was ist, aus dem unbewussten Widerstand. Widerstand ist eine Beurteilung, die dem Verstand entspringt und das löst negative Emotionen aus.“ 

***

Eckhart Tolle erklärt in seinem Buch, dass der Verstand stets versucht, das JETZT zu vermeiden, ihm zu entkommen. Je mehr wir mit dem Verstand identifiziert sind, desto mehr leiden wir. Je mehr wir das JETZT anerkennen, umso freier sind wir von Schmerz. 

Zeit und Verstand sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne Verstand keine Zeit, nur Jetzt. Nur der Mensch kennt diese Einteilung und nicht die Natur. 

Die Natur lebt im JETZT. Lebe im JETZT, sage immer JA zum gegenwärtigen Moment. 

Widerstand (weil der Verstand in der Zukunft oder Vergangenheit ist und das, was ist, ändern will) ist völlig sinnlos und wahnsinnig, da der Moment so ist, wie er ist und nicht geändert werden kann.

Eckhart Tolle fordert uns immer wieder auf, diese Aussagen sofort zu überprüfen, indem wir unseren Verstand in solchen Momenten beobachten. Wie benennt der Verstand den Moment, wenn Widerstand auftaucht? Wie beurteilt, verurteilt er? Sieh, wie er damit Unglücklichsein und Schmerz erschafft. 

Es geht nicht darum, dass man nie etwas in seinem Leben verändern kann. Vielmehr geht es darum, dass wir die Situation erst einmal akzeptieren und dann handeln. Nimm es so an, als hättest du es selber so gewollt. Gehe mit und nicht dagegen an. Mache den Moment zu deinem Freund. Es entsteht sonst immer wieder neuer Schmerz, weil wir den Moment nicht anerkennen. 

Und hier erkannte ich auch die Parallelen zu den Schriften aus dem Yoga. Akzeptanz und Hingabe sind Begriffe, die dort als Voraussetzung für spirituelles Wachstum genannt werden.

*** 

Tagebuch 13.07.2016:

„ALTER SCHMERZ/SCHMERZKÖRPER

SCHMERZ IM VERSTAND

  1. sind alle emotionalen Verletzungen in der VERGANGENHEIT
  2. lebt als Schmerzkörper in der Zukunft weiter, wenn eine Identifikation mit dem Schmerz stattfindet. 

Dann wird er zu SCHMERZ IM KÖRPER, wo er ein negatives Energiefeld verursacht und wie ein eigenes Wesen unsichtbar als emotionaler Schmerzkörper weiterlebt. 

  1. Ein ruhender Schmerzkörper bricht nur in bestimmten Situationen immer wieder aus.
  2. Ein aktiver Schmerzkörper ist in unglücklichen Menschen wahrscheinlich immer aktiv. 

Ich denke über meinen eigenen Schmerzkörper nach, der einmal im Monat ausbricht und sich in Form von Schmerzen im Kopf (Migräne) und Weinkrämpfen zeigt. Ich schaue auf meine Gedanken und Gefühle im Augenblick und sehe den Schmerz als den Verlust meiner Familie, von Geborgenheit und von Sicherheit und den Schmerz der Trennung von meinen Kindern.

Manche Ausbrüche vom Schmerzkörper sind harmlos. Sie jammern, wie kleine Kinder. Andere jedoch können zu Dämonen werden und gewalttätig sein. Negative Gedanken können auch zur Selbstzerstörung und zu Unfällen führen.

Ich denke an meine zwei Unfälle in der letzten Zeit. Da war dieser Sturz im Rohbau unseres Hauses. Ich war vorher extrem unglücklich und auch unaufmerksam an diesem Tag. Völlig in meinem Kopf. In meinen dunklen Wolken verloren. 

Und dann der Sturz im Bad. Auch da war ich zuvor im Kopf mit negativen Gedanken beschäftigt. Ich war unzufrieden und unglücklich. Nur im Kopf. Es gab keinen konkreten Anlass, bis zum Sturz. 

Ich erkenne nun, dass ich an solch dunklen Tagen besonders aufmerksam sein muss, denn ich selbst gehe dann anscheinend nicht gut mit mir und meinem Körper um. Das wird mir jetzt völlig klar. 

Anhaltende bewusste Aufmerksamkeit durchtrennt die Verbindung zwischen Schmerzkörper und den Gedankenabläufen. 

So findet dann ein Umwandlungsprozess statt und Schmerz kann zum Brennstoff für die Flamme des Bewusstseins werden.

Es ist mir schon bei meiner letzten Migräne aufgefallen, dass ich die Schmerzen stundenlang ohne Tabletten aushalten kann, wenn ich den Schmerz akzeptiere und ihn einfach nur beobachte. Ich versuchte auch meine Gedanken zu beobachten und ihre Auswirkungen auf den Schmerz. Ich erkannte mein altes Gedankenmuster, wie Trotz, Nichtanerkennung, Einsamkeit = Schmerz = Wunsch nach Aufmerksamkeit. Danach verschwand der Schmerz. 

Allerdings schreibt Eckhart Tolle, dass wir uns keine Gedanken machen sollen. Wenn Schmerz auftritt, sollen wir folgendes machen:

  • Akzeptiere, dass Schmerz (Angst, Wut, Eifersucht, Trauer…) da ist. 
  • Denke nicht darüber nach, denn Fühlen darf nicht zu Denken werden.
  • Urteile und analysiere nicht, sonst identifiziert man sich damit.
  • Bleibe der Beobachter von allem, was in dir vorgeht.
  • Entwickle ein Bewusstsein für „den“ der zuschaut, den stillen Beobachter.
  • Siehe was geschieht.“

***

Was für eine Hilfe und was für ein Geschenk diese Zeilen von Eckhart Tolle für mich waren! 

Wie oft hat mir der Schmerz schon geholfen, der bewusste Beobachter zu bleiben! Das Pochen in meiner rechten Schläfe und hinter dem Auge rief mich immer wieder zu sich, wenn Denken einsetzen und Widerstand gegen den Schmerz auftauchen wollte. Nie hätte ich mich auf eine Sache und den jetzigen Augenblick konzentrieren können, wenn der Schmerz nicht so ein gnadenloser Lehrer gewesen wäre. 

Wenn ich die Schmerzen akzeptierte, sie gar umarmte und mich ihnen völlig hingab, lösten sie sich oft genug einfach auf. Da war einfach nur Schmerz und dann war er weg. Diese Erfahrung half mir dabei, später auch mit meiner Angst in Ruhe sitzen zu können. Ich akzeptierte sie, wurde zum Beobachter der Angst, wurde zur Angst selbst. 

Hatte also mit dem denkenden Verstand Abstand, aber gleichzeitig war ich mit ihr vereint. Ohne Denken gab es keine Bewertung, dass Angst etwas Negatives ist, dass ich sie jetzt nicht haben will und somit gab es auch keinen Widerstand (Flucht oder Wunsch nach Ablenkung). Dann war sie einfach weg. 

Wer mit seinen Schmerzen sitzen kann, kann auch mit seiner Angst sitzen.

Habt einen schönen Tag und ganz viele liebe Grüße, Monika 


6 Gedanken zu “Verstand, Zeit, Schmerz und Angst

  1. Hello my dear Monika how aré you l hope you were looking at what you wrote always very interesting what you write AND very emotional l wanted to tell you that today is my birthday l hope you aré well send a big kiss to leyla when you see her from me l love her l really miss her so. much l hope that she Is also well kisses l love you 😭😘🙏

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  3. Wie lieb von Dir, Monika. Ich habe jetzt einen neuen Blog, der Seelenkritzelei heisst. Sehr viel mehr werde ich da nicht posten, schätze ich……hmm aber man wird sehen 😀
    Wünsche Dir und Deinen Lieben ein schönes Wochenende.

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