Gedanken putzen

Mit diesem Beitrag möchte ich euch wieder auf meine innere Reise mitnehmen. Im Januar 2016 war ich noch immer mit den Videos der buddhistischen Nonne Ayya Khema beschäftigt. Obwohl ich auf dem Yoga-Pfad war, haben mir ihre buddhistischen Vorträge sehr dabei geholfen, noch tiefer in die Spiritualität einzutauchen. 

Tatsächlich gibt es keinen Unterschied zwischen Buddhas Worten und denen der weisen Yogis. Sie weisen auf das gleiche hin, haben das gleiche Ziel, aber unterschiedliche Methoden. 

Ich denke, dass man uns wirklich nur zwei ganz klar definierte Anleitungen zurückgelassen hat, wie man Erleuchtung/Aufwachen/Wahrheit/Gott erfahren kann. Das sind die Lehre von Buddha und die Yoga-Sutras des Patanjali. Sie sind sehr logisch aufgebaut und daher auch von unserem modernen Verstand nachvollziehbar. 

Ich wusste nichts von Jesus Christus, und als ich die Bibel im erwachsenen Alter las, fand ich zu wenig Worte von ihm selbst und erst recht keine klare Führung. Womöglich wurde zuviel verändert? Erst als ich mit Yoga begann und aufwachen durfte, verstand ich, was Jesus uns sagen wollte und war voller Liebe für ihn. 

Mein großes Glück war, dass ich nie religiös war. Keiner Religion angehörte. Nichts davon verstand. So konnte ich während meiner Yoga-Reise alles aufnehmen, ohne dass da irgendeine Meinung von einem Religionsvermittler in meinem Kopf herumspukte. 

Meine Gedanken waren diesbezüglich absolut unschuldig. Es gab nur eine ganz generelle Ablehnung von institutionalisierter Religion, und das sorgte dafür, dass ich enorme Zweifel an allem hatte was ich las. 

Deshalb musste ich jeden Schritt sehr langsam und sorgsam gehen. Oft einen vorwärts und zwei zurück. Wenn es dann jedoch weiterging, war ich mir am Ende absolut sicher. In uns lebt ein Wunder, was entdeckt werden möchte. 

Im Januar 2016 war ich noch immer dabei, „meine“ Gedanken zu erforschen, und ich notierte mir hierzu einige wichtige Aussagen von Ayya Khema und meine Gedanken dazu in mein Yoga-Tagebuch.

Tagebuch 05.01.2016:

„Karma bedeutet: Was du säst, das erntest du.

Mit Gedanken fängt die Saat an.

Schöne Gedanken, schöne Saat, schöner Garten. 

Wie gut passen wir auf unsere Gedanken auf? 

Selbstverantwortung heißt, auf unsere Gedanken achten. 

Sind unsere Gedanken verschmutzt, so sind es auch unsere Worte und Taten.

Von Moment zu Moment machen wir daher Karma. 

Meditation ist automatische Läuterung.

Hier können wir Gedanken etikettieren.

Jeder der denkt, dass er „Ich“ heißt, hat Karma, denn dahinter stehen immer Absichten. 

Diese sind zu untersuchen. 

Häufig denkt man, man hat gute Absichten. Stimmt aber gar nicht. Und wenn es dann nicht zu guten Resultaten kommt, dann glaubt man, die anderen seien schuld. Sie hätten es nicht verstanden oder wären gar undankbar. 

Selten ist, dass man denkt, man hat schlechte Gedanken, aber tatsächlich sind es gute.“

Was für klare Ansagen und Hinweise. Beschämend musste ich damals feststellen, dass ich genau so funktionierte. Meine gut gemeinten Absichten standen anderen weiteren 7 Milliarden guten Absichten entgegen. Oft passiert es auch, dass man dann zornig wird, weil die anderen deine gut gemeinten Absichten nicht erkennen wollen. 

Wenn man das jetzt nicht einfach wegschieben will und denkt, ich bin eben wie ich bin, sondern wie ich damals wirklich weiter forschen möchte, weil man sich nach Verstehen oder gar Veränderung sehnt, dann gibt uns Buddha selbst noch eine exakte Anleitung hierfür. 

Mit Hilfe seiner Wissensklarheit sind wir in der Lage, endgültig den sich stets wiederholenden Kreislauf von Angst, Unzufriedenheit, Hass, Zorn, Erfolglosigkeit, Frust, Einsamkeit, Depression oder Traurigkeit zu durchbrechen. Wenn wir dann dabeibleiben und üben, werden wir am Ende die Konditionierung in unserem Gehirn aufheben:

„Wissensklarheit geschieht in vier Schritten:

  1. Was ist der Zweck meines Gedankens, Wortes oder Tat? (Gedanken, Worte, Taten sind die drei Tore, durch die wir uns äußern können. Ist es zwecklos? Eine Ego-Bestätigung? Wichtig? Hilfreich? Zweckentsprechend? Eine gute Absicht?) 
  2. Ist es das heilsamste Mittel, um diesen Zweck zu erreichen? (Mit Gedanke, Wort o. Tat)
  3. Sind diese Gedanken, Worte o. Taten im Dhamma? Also würde sich Buddha damit abgeben? Verkleinert es das Ego? Zielt es darauf ab, etwas bekommen zu wollen?
  4. Anschließend weiterdenken, sagen oder handeln und das Resultat untersuchen. Habe ich damit den Zweck erfüllt, den ich im Auge hatte? Wenn nicht, warum nicht?“ 

Man versteht hier vielleicht auch, warum Meditation so wichtig ist. Nur wenn wir stillsitzen und reflektieren, haben wir die Möglichkeit diesen Dingen auf den Grund zu gehen. Es ist mühsam, es braucht Zeit und Disziplin. Aber wer sich nicht durchschaut, kann sich nicht von sich und seinen Wiederholungen befreien. 

Ich habe anschließend wirklich versucht, damit zu arbeiten und darauf zu achten, dass ich weder mit meinen Gedanken noch mit Worten oder Taten meine Umwelt verschmutze. Natürlich ist mir dann in diesem Zusammenhang der ganze mich umgebende „Wort-Schmutz“ extrem aufgefallen. Der fluchende Ehemann am Steuer und die plötzlich so lauten und zornigen Mitmenschen verursachten mir allein mit ihren Worten geradezu körperliche Schmerzen. 

Ich fühlte mich elend und wusste damals noch nicht, damit umzugehen. Das war aber da auch noch nicht wichtig. An erster Stelle stand das Erkennen. 

Tagebuch 06.01.2016:

„Denn unser Leiden/Dukkha erkennen ist die Motivation für uns, weiter verstehen und erkennen zu wollen. Dies ermöglicht es uns von der relativen Ebene (leben mit einem „Ich“) zur absoluten Ebene (wo es kein „Ich“ mehr gibt) vorzudringen. 

Die 4 edlen Wahrheiten des Erleuchtungserlebnisses enthält die ganze Lehre Buddhas: 

  1. Auf der relativen Ebene ist jegliche Existenz Leiden/Dukkha (Wer das nicht versteht oder glaubt, braucht nur die Nachrichten anzuschalten und ich meine nicht nur die von heute oder seit der Pandemie. Geht ins Internet und schaut euch irgendwelche älteren Zeitungsbeiträge an. Es sind immer die gleichen Nachrichten, die gleichen irren und vernichtenden Worte und Handlungen.) 
  2. Der einzige Grund für Leiden/Dukkha sind unsere Begierden, Unruhe und Wünsche. Unruhe entsteht durch unsere Suche aus dem Leiden/Dukkha. Entweder wollen wir etwas und bekommen es nicht oder umgekehrt. Dann suchen wir nach einem Sündenbock. Es entsteht Unruhe, und dann suchen wir oft nach Unterhaltung und die sucht ein Resultat. Diese Unruhe ist aber auch ein gutes Mittel, um sich mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben.
  3. Wenn wir achtsamer geworden sind, ist der erste Schritt getan. Wir können den Trieb erkennen, die innere Unruhe, und dann wissen wir, dass das scheinbar Neue gar nichts Neues ist. Alles auf der relativen Ebene sind nur Lernsituationen. Es ist alles schon einmal dagewesen. Wir erkennen unsere Egozentrik. Wir erkennen alles. Erkennen, dass alles Eins ist. 
  4. Wenn das erkannt wurde, endet alles Leiden/Dukkha und der Weg dorthin ist der achtfache Pfad, den Buddha ebenfalls im Einzelnen aufzeigt.“

Tagebuch 07.01.2016: 

„Ich bin fix und fertig. Unser Freund F. war bei uns. Er ist uns gerade hier in vielen Dingen eine große Hilfe. Er hört immer schlechter und wird daher selbst immer lauter. Auch ich muss lauter sprechen und alles wiederholen. Am Ende bin ich total erschöpft und ich merke, er hört mir eh nicht mehr zu. Ich lerne still zu sein. 

Gerade rief mich ein ehemaliger Yoga-Schüler aus Istanbul an. Er wollte wissen, wann ich wieder nach Istanbul komme. Ich hatte ihm dabei geholfen, seine Panikattacken zu überwinden und er bedankte sich zum wiederholten Male dafür. Er würde gerne weiter an sich arbeiten.“

Dieser ehemalige Schüler war Familienvater und hatte eine eigene, erfolgreiche Firma. Er konnte jedoch seiner Arbeit nicht mehr nachkommen, weil er es in geschlossenen Räumen nicht mehr aushielt. Als ich ihn kennenlernte, fingen wir mit Atemübungen an, und selbst das konnte er am Anfang nur 10 Minuten durchhalten, dann stürmte er plötzlich voller Panik aus meinem Yoga-Studio. Draußen wartete sein Chauffeur und der fuhr ihn dann, wie immer bei einer Panikattacke, ins Krankenhaus, wo er sich besser fühlte und auch im Notfall Medikamente bekam. 

Er kam wieder und so zeigte ich ihm nach und nach, wie man richtig atmet. Wie man seinen Atem kontrollieren und seinen Körper entspannen kann. Er hörte das erste Mal, was ihm bisher kein Arzt zuvor erklären konnte, nämlich, was Angst eigentlich ist, wo sie entsteht und wie sie im Kopf und im Körper funktioniert. Ich erzählte von meinen eigenen Panikattacken und dass man auf jeden Fall aus seiner Angst herauskommen kann, wenn man es wirklich will. 

In meinen Yoga-Tagebuch notierte ich, was Ayya Khema dazu sagte: „Wir begreifen, dass alles Wissen und alle Informationen, die wir in der Schule und auf den Universitäten lernen, nicht dazu geeignet sind, uns glücklich zu machen. Es dient nur dazu, Geld zu verdienen. Nur spirituelle Lehrer sind darum bemüht, hier zu helfen.“ 

Wir wissen nichts. Wissen vor allen Dingen nicht, was wir sind und wie wir funktionieren. Wir denken jedoch, wir würden diese Welt verstehen und alles besser wissen als andere. Deshalb wiederholen wir gerade all das, was wir schon vor 100 Jahren durchgemacht haben. 

Wir lassen uns von unseren Gedanken beherrschen, sind ihre Gefangenen. Es ist wichtig, das zu erkennen und diesen alten „Gedanken-Staub“ wegzuputzen, damit endlich Neues entstehen kann. 

Habt ein schönes Wochenende, Monika


2 Gedanken zu “Gedanken putzen

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