Save Soil/Rette den Boden

Liebe Besucher meiner Website, 

Für einige Wochen werde ich mich auf dieser Seite neben meinen üblichen Artikeln über Ängste und Yoga auch mit dem Boden unserer Welt beschäftigen. 

Das hat mehrere Gründe.

In den letzten Monaten hat sich unser Dorf extrem verändert. Wer meine Beiträge liest weiß vielleicht, dass ich mit meinem Mann seit sechs Jahren an der Nordägäis in einem kleinen Ort lebe. Man erreicht dieses Dorf von der Küstenstraße über eine drei Kilometer lange Pinien-Allee. 

Hinter unserem Dorf liegen die Ida Mountains. Eine lange Bergkette, die eigentlich unter Naturschutz steht. Wir haben sogar Bären in den Wäldern. Das Wasser, das von den Bergen kommt, läuft aus Brunnen an jeder Ecke im Dorf zur freien Verfügung für alle. 

Thermalwasser-Vorkommen beheizen die in der Nähe der Küstenstraße liegenden Häuser im Winter (leider nicht die Gebäude im Dorf). In Deutschland würde man das hier einen Kurort nennen und diesen Schatz der Natur unter allen Umständen schützen.  

Seit kurzem haben wir einen neuen Bürgermeister und mit einem Schlag, ohne dass die Anwohner es so richtig mitbekamen, sind dieser Ort und die traumhafte Gegend zum Ausschlachten freigegeben worden. 

Schon vorher wurden an der Küste sehr große Thermalhotels gebaut, die bei weitem mehr Menschen aufnehmen konnten, als überhaupt Anwohner in diesem Ort leben, so dass die Meeresküste immer voller wurde. Mit dem Wechsel des Bürgermeisterpostens wurden jetzt auch die Olivenhaine zwischen der Küstenstraße und dem Meer, sowie alle Felder links und rechts neben der Allee bis zu unserem Dorf und die Felder um unser Dorf herum als Bauland umgewidmet. 

Makler aus dem ganzen Land flogen hier ein wie die Geier, und vermittelten Parzelle für Parzelle an irgendwelche Bauherrn, die nun alles mit Beton zuschütten. Professionell ziehen sie hier eine Siedlung nach der anderen hoch. Sie bringen sogar ihre eigenen Arbeiter mit. 

Wir haben versucht, uns dagegen zu wehren, dass zu hoch und zu dicht gebaut wird, mussten aber zur Kenntnis nehmen, dass der Bürgermeister sich die Genehmigung für das Überschreiten der alten Baurichtlinien vorab direkt aus Ankara von der jetzigen Regierung geholt hat. 

Statt 20% Bebauung, so wie es bei uns noch Vorschrift war, darf man nun 60% des Grundstücks bebauen, und wenn es sich um eine Siedlung handelt, dann gelten sowieso ganz andere Regeln als für Einzelhäuser. Da bleibt am Ende immer nur in der Mitte ein kleiner Platz für den Pool frei, während die Häuser so dicht beieinanderstehen, dass man dem Nachbarn durchs Fenster die Hand geben kann. 

Auch werden die Häuser immer höher, während früher nur so hoch wie ein Olivenbaum gebaut werden durfte. Wir haben in diesem Land eine Inflationsrate von ca. 100% in fast allen Bereichen und so auch beim Baumaterial, wie Sand und Eisen. Damit man aus dem Bau überhaupt noch Kapital herausschlagen kann, werden statt Einfamilienvillen immer gleich Doppelhäuser gebaut. Diese Häuser sind Sommerhäuser und werden nur in den Sommerferien genutzt. Die restlichen Monate werden diese Häuser leere Betongeister sein.

Dass trotz einer schlimmen Wirtschaftskrise und trotz dieses starken Anstiegs der Material- und Arbeiterkosten noch immer wie verrückt in diesem Land gebaut wird, liegt daran, dass der Bau vom Staat subventioniert wird. Mit Kreditzinsen von 1% – in Worten: ein Prozent – kann man hier Geld von der Bank bekommen und bauen. Nirgendwo auf der ganzen Welt gibt es so viele Bauherren wie in der Türkei.

Jeder kann hier bauen, auch wenn man kein Kapital hat. Man fängt an, verkauft die ersten angefangenen Häuser, zahlt Kredite zurück und baut dann weiter.  Somit ist das noch die einzige Branche in diesem Land, wo der Rubel rollt. Dass dabei die ganze Natur zerstört wird, interessiert die wenigsten. 

Was man in den letzten 20 Jahren in Istanbul zerbaut hat, darüber möchte ich hier gar nicht schreiben. Ich erkenne diese Stadt heute nicht mehr wieder. 

Diese Versiegelung des Bodens ohne Rücksicht auf die Natur ist ein Grund, warum ich mich hier für Save Soil engagiere.

Der andere Grund ist die Verseuchung des Bodes durch Pestizide. Seit zwei Jahren war ich nicht mehr auf einem Basar, um dort Lebensmittel zu kaufen. Dabei wird dieser schöne bunte türkische Basar immer noch so gepriesen. Allerdings weiß ich durch Veröffentlichungen seriöser Berichte aus dem Internet, dass die Lebensmittel hier teilweise mit Pestiziden verseucht sind, die in Europa schon längst nicht mehr verwendet werden dürfen. 

Übrigens – der Wissenschaftler, der den Bericht mit Zahlen und Daten vor einigen Jahren mit der Überschrift „Wir vergiften unser Volk“ veröffentlichte, wurde anschließend verhaftet. Seitdem taucht darüber nichts mehr auf. Ich habe jedoch diese traurige Tatsache dadurch immer weiterverfolgen können, weil exportierte Lebensmittel aus der Türkei von verschiedenen Ländern immer wieder zurück geschickt wurden mit dem Vermerk „enthält zu viele Pestizide“. 

Ich bin so dankbar und froh, dass wir Biobauern gefunden haben. Seit 1 1/2 Jahren kaufen wir unsere frischen Lebensmittel nur dort ein. Was da ist, wird verwertet und gegessen. Es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Ich kann dort auch selber ernten, wenn ich möchte. 

Natürlich ist die Verschmutzung von Wäldern und Gewässern durch die Müllentsorgung von Menschen, die sich nicht bewusst darüber sind, was sie ihrer Natur da antun, ebenfalls etwas, was uns sehr traurig macht. Es vergeht kein Tag, wo wir nicht anfangen, Müll im Wald zu sammeln und zu entsorgen, wenn wir mit unserem Hund unterwegs sind. 

Sehr dramatisch sind hier die Eingriffe in die Natur, wenn es um den Abbau von Rohstoffen im großen Maße geht. Minenfelder in unseren Bergen wurden an ausländische Investoren verkauft (wenn ich richtig informiert bin, gehört der Türkei fast gar keine Mine mehr), und diese wollen von ihrem Recht Gebrauch machen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie gravierend in diesem Fall die Einschnitte in die Natur sind (wenn z.B. Gold mit der Cyanidlaugerei oder dem Amalgamverfahren gewonnen werden soll), und so erheben sich auch hier die Menschen und stellen sich dieser Zerstörung entgegen. Besonders die ganz einfachen Menschen, die meistens dort als Bauern, Schäfer oder Imker von der Natur leben. Es hat aber keinen Sinn, denn dieses Land ist schon lange kein Rechtsstaat mehr. 

Außerdem war mir selbst gar nicht klar, dass unser Boden nicht nur hier, sondern weltweit langsam stirbt und vielleicht wusstet ihr das ja auch nicht? 

Was bedeutet Bodensterben? Es bedeutet, dass der Boden, weil wir ihm nicht die richtige Aufmerksamkeit geschenkt haben, an Vitalität verliert und zu Sand wird.

Wenn wir von Umweltanliegen reden, meinen wir damit normalerweise die Klimaerwärmung, den Klimawandel, Wassermangel oder Umweltverschmutzung. Aber es gibt ein massives, unmittelbares Problem, mit dem die Menschheit konfrontiert ist und von dem die meisten von uns nicht einmal wissen: das Bodensterben.

Um mehr darüber zu erfahren und zu lernen und andere Menschen darüber zu informieren, habe ich mich der “Save Soil”-Bewegung angeschlossen, die Sadhguru ins Leben gerufen hat. Nur darum geht es hier: Um die Aufmerksamkeit!  

Nur wenn man informiert ist, kann man später Regierungen dazu drängen, politische Maßnahmen zu schaffen, um den Boden, der unser Leben nährt, zu revitalisieren. 

Diese Bewegung wird weltweit von sehr vielen Organisationen, Politikern und berühmten Persönlichkeiten unterstützt. Nie hätte ich gedacht, dass so viele Menschen so schnell hier mitmachen. Ich habe gerade erst die Nachricht erhalten, dass schon jetzt in den letzten Wochen 1.000.000 Menschen zusammengekommen sind, die diese Bewegung aktiv als Volunteers bzw. „Earth Buddy“ unterstützen. 

Hier ein Video zu diesem Thema:

Ich selbst war mir über die Dramatik dieses Zustandes unseres Bodens nicht bewusst aber nun, nachdem ich sehe, was allein in unserem Dorf passiert und was für Chemikalien hier verspritzt wurden und werden, kann ich es sehr gut nachvollziehen. Das Bodensterben ist äußerst bedrohlich und die Vorstellung, dass wir den Boden in den nächsten 40-60 Jahren völlig verlieren werden, wenn wir nicht handeln, ist ein Schock für mich gewesen. 

Ich habe auch nicht gewusst, dass die Bodendegradation uns mehr als 50 Milliarden EUR pro Jahr kostet! Jedes Mal, wenn ich etwas über den Klimawandel oder über Umweltprobleme höre, überkommt mich ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Und tatsächlich schaue ich mir keine Naturfilme mehr im TV an, da es am Ende immer irgendwann lautet: …diese Tierart ist bedroht… wird aussterben usw. 

Sadhguru wird am 21. März von London startend in ca.100 Tagen durch 27 Nationen Richtung Indien mit dem Motorrad fahren. Ziel ist es, in dieser Zeit mindestens 3,5 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren, das Problem zu verstehen, darüber zu sprechen und sich für “Save Soil” einzusetzen. 

Es geht nicht darum gegen etwas zu sein oder etwas zu bekämpfen, sondern es geht nur darum, dass man sich dieses Problems bewusst wird und “Save Soil” zum Stadtgespräch macht. 2017 hatte Sadhguru schon ein Projekt „Rally for Rivers“, welches sehr viel Aufmerksamkeit erregte und viel Erfolg hatte. (Mehr Infos hierzu: https://isha.sadhguru.org/rally-for-rivers/

Ich habe mich freiwillig als Earth Buddy zur Verfügung gestellt und werde Sadhguru während seiner Reise und alle Volunteers in den nächsten Wochen unterstützen. Aus diesem Grund stelle ich immer wieder mal kurzfristig meine Website zu diesem Thema zur Verfügung, um euch über den neuesten Stand zu informieren.

Habt ein schönes Wochenende, Monika 


7 Gedanken zu “Save Soil/Rette den Boden

  1. *seufz*
    Herzlichen Dank für deine InsideZeilen
    *pffffahhhh* da fangen bei mir allein beim Lesen deiner Worte alle Emotionen an überzukochen. Profit, Enteignungen, Gier und Korruption &&&&&& usw. global. Ich kann mir nicht mal mehr eine Avocado kaufen. Privatisierung von Wasser, Landnahme und Zerstörung von Dörfern durch Staudämme und und …………..
    Die Ökonomie des kranken Wachstums am Laufen halten, koste es was es wolle!
    Ausbeutung von Mensch und Natur so weit das Auge reicht.

    Danke Dir für deine Infos
    lieben Gruß aus Duisburg

    Gefällt 3 Personen

  2. Es ist schrecklich was da passiert liebe Monika. Gier frisst Gehirn so glaubt man, wenn man liest was da vor sich geht. Großartigen Dank für dein Engagment als Earth Buddy und auch dafür, dass du ungeschönt berichtest was da aus (vermutlich) Profitgier vor sich geht. Ich wünsche dir viel Kraft für dein Vorhaben und bin gepannt auf deine Berichte. Liebe Grüße Steph

    Gefällt 1 Person

  3. liebe Monika,
    ich bin entsetzt, sprachlos, das zu lesen. du hast es sehr gut geschildert. ich kann jetzt nichts anderes sagen, als mein mitgefühl auszudrücken.
    ich seh mir gleich noch das video Save Soil an.
    ganz liebe grüße dietmar

    Gefällt 1 Person

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