Vergänglichkeit

Gerade fängt das neue Jahr an und schon erinnere ich euch daran, dass alles vergänglich ist.

Ende 2015 waren es aber genau diese weisen Worte der Buddhistin Ayya Khema, die mir sehr dabei halfen, auf meinem Pfad zu bleiben und nicht an den Lebensumständen zu verzweifeln. Möge die Weisheit wie Regentropfen vom Himmel fallen und viele Menschen im Jahr 2022 glücklich und zufrieden machen. 

Ich notierte mir damals die fünf Hindernisse, die es zu entlarven gilt, wenn wir uns als Menschen entwickeln wollen. Tatsächlich ähneln diese Hinweise denen im Yoga sehr. Wenn man sich täglich nur an diese 5 Punkte erinnern und damit an sich arbeiten würde, gäbe es keinen Grund mehr, unglücklich oder zornig zu sein. 

Auch nicht in Zeiten der Pandemie. Wir würden begreifen, dass nicht das Virus das Problem ist oder die Menschen, die anders denken und handeln als wir selbst, sondern dass alle Probleme nur in uns selbst liegen.

Tagebuch 11.12.2015:

  1. „Die Zweifelssucht: Fragen wie, vielleicht ist dies oder das doch besser für ihn oder sie/mich, oder womöglich hätte ich doch anders handeln sollen, gehen uns dann ständig durch den Kopf. Das hat nichts mit Liebe zu tun. Es fehlt uns an Hingabe und es gibt Angst vor Vertrauensbruch. Buddha sagt, man kann das Vertrauen von anderen nicht missbrauchen. Das kann nur geschehen, wenn wir etwas von anderen erwarten. Menschen können einen immer enttäuschen. Der spirituelle Pfad jedoch nicht. Hier können wir nur von uns selbst enttäuscht sein. 
  2. Die sinnliche Begierde. Hier erwarten wir etwas von einem anderen in der Hoffnung, dass es einem danach besser gehen wird. 
  3. Das Übel-Wollen. Dieses Übel-Wollen für andere kann sich auch gut verkleiden, indem man z.B. laut und böse wird, weil man doch nur etwas Gutes für den anderen oder die Umwelt will. 
  4. Lässigkeit und Trägheit des Geistes. 
  5. Rastlosigkeit und Unruhe. Wir sind nie zufrieden mit dem, was wir haben.“

Das 2. und 3. Hindernis sind die stärksten. Ayya Khema sagt, diese 5 Hindernisse sind unsere wahren Feinde und es sei, als würde man eine Kriegszone betreten. 

Wie recht sie hat, zeigt sich immer dann, wenn wir die Nachrichten anschalten. Der Wahnsinn der Menschheit ist dort offensichtlich. Wenn wir uns selbst sehr ehrlich beobachten, wird uns schnell bewusst, wie wir über andere Menschen denken. Aus diesen Gedanken heraus handeln wir dann. 

Wenn keiner etwas möchte oder fragt, ist nichts zu tun! Dieser Satz ist besonders an die Menschen gerichtet, die immer meinen, sie müssten etwas Gutes für die anderen tun und dann stets enttäuscht zurückbleiben. Das kenne ich von mir selbst auch. Ich wusste immer, was für andere besser ist. Heute kann ich selbst meine Kinder loslassen und weiß, wenn sie meinen Rat brauchen, werden sie fragen. 

Tatsächlich haben wir also nichts anderes zu tun, als unseren Ärger loszulassen! Der Rest geht uns nichts an! 

„Folgende Formel von Buddha könnte uns dabei helfen, dass wir uns im Alltag daran erinnern und uns mit guten Ratschlägen zurücknehmen:  

  • Wenn wir etwas wissen, was einem anderen wehtun kann, und es ist unwahr, nichts sagen.
  • Wenn wir etwas wissen, was einem anderen helfen kann und es ist unwahr, nichts sagen.
  • Wenn wir etwas wissen, was einem anderen wehtun kann und es ist wahr, auch nichts sagen.
  • Wenn wir etwas wissen, was einem anderen helfen kann und es ist wahr, den richtigen Moment abwarten. Das heißt, wenn wir nicht besser wissen, wenn wir nicht ablehnen, sondern wie eine liebende Mutter mit einem Menschen reden können, von dem wir wissen, dass er uns hören will! 

Denn meistens wollen Menschen nichts hören. Und wenn sie nichts hören wollen, hören sie nicht zu. Die Ratschläge werden sie also nicht erreichen.“

Einen Tag nach diesen Notizen kam mich meine Freundin aus Istanbul besuchen, und in der zweiten Nacht wurde ich mit einer Panikattacke wach. Schwindel und das Gefühl im Schlaf ohnmächtig zu werden. Ich notierte meine Gedanken in dieser Nacht. 

Tagebuch 12.12.2015:

„Bekomme ich jetzt nachts Panikattacken, nachdem ich sie am Tage losgeworden bin? Was ist passiert? Gestern Abend war ich mit meiner Freundin bei unseren Nachbarn. Alles war in Ordnung, aber nach und nach haben meine Freundin und ich uns immer mehr bei diesem Besuch verspannt. Tatsächlich habe ich erst richtig begriffen, warum ich mich so unwohl fühlte, nachdem ich meine Freundin auf dem Stuhl genau betrachtete. 

Sie saß völlig verkrampft da und versuchte, mit Bewegungen der Arme diese Verspannung zu lösen. Sie rückte auch immer weiter vom Tisch und den anderen weg. Ich begriff, ihr ging es genauso wie mir. Für uns beide wurde es hier langsam unerträglich. 

Die Nachbarn sind nette Menschen, aber sie pflegen einen lauten, stressigen und völlig unbewussten Umgang miteinander, und das übertrug sich auf uns, und zwar körperlich. 

Nachdem wir abends wieder zu Hause waren, meditierten wir zwei zusammen. Es rauschte in unseren Ohren und meine Freundin hatte starke Rückenschmerzen. Nachdem ich sie in die Meditation führte, konnte sie sich entspannen. 

Ich nicht.

Vor dem Einschlafen meditierte ich dann noch einmal alleine im Bett und bin kurz darauf eingeschlafen, um dann mit dieser Panikattacke wach zu werden. Als hätte ich mich im Schlaf immer weiter verspannt. Es ist jetzt 5.42 Uhr. Es ist nun schon die zweite Nacht, in der soviel passiert. Diese Träume in den letzten Nächten. Der Schlag und der Blitz in meinen Nacken.

Nach einer Meditation am Morgen schlief ich wieder ein.“

Tagebuch 15.12.2015:

„Meine Freundin ist noch hier. Wir haben Yoga gemacht und meditiert. Um 5.00 Uhr bin ich heute morgen wach geworden und habe lange meditiert. Ein Vogel singt. Stille. Töne im Ohr. Der Insekten-Ton. Rauschen. Naam. Stille. 

Ich lege mich wieder hin, um noch eine Runde zu schlafen und sehe mit geschlossenen Augen ganz klar sehr merkwürdige Formen. Diese Konturen sind mir total fremd. Ich versuche sie zu verstehen, aber ich kann kein System in diesen Formen erkennen. Es ist so chaotisch und doch ist da eine absolute Harmonie. Ich erkenne auch Farben. Orange. Gelb. Grün. 

Dann ist da ein Raum. Eine Abgrenzung über mir und auch an der Seite. Ich schaue mir alles genau an (mit geschlossenen Augen). Es ist hellgrau. Eine Wand. Ich kann die Struktur der Wand genau erkennen. Wie in einem Raumschiff/Flugzeug und doch so, als würde ich die Wand durch ein Mikroskop betrachten. Rechts gibt es etwas, dass einem Schloss ähnelt. Es hat ebenfalls die Form, die wie eine große Tür oder ein Fenster aussieht. Ich versuche zu verstehen, was ich hier sehe. Ich kann es aber nur anschauen. Nicht begreifen. Damit schlafe ich dann ein.“

Tagebuch 16.12.2015:

„Ich versuche im Internet Erklärungen für diese Phänomene in der Nacht zuvor zu finden. Dieses Rauschen im Kopf. Die Panik. Diese Bilder vor meinen geschlossenen Augen, die so viel realer waren, als die Wirklichkeit.“

Im Internet stieß ich auf den Hinweis, dass Kundalini-Kraft erweckt sein könnte. Wie um mich selbst zu beruhigen, notierte ich die Symptome, die in den letzten Jahren und Monaten tatsächlich bei mir vermehrt aufgetreten sind: 

1. innere seelische Symptome: Anstieg der Sensitivität, euphorische Glücksgefühle, Auf und Ab der Emotionen, zwanghaftes Gefühl, meditieren zu müssen, geistige Klarheit, starkes Hitze- und Kälteempfinden, friedliche Veränderung der Persönlichkeit, religiöse Ausrichtung, starke Liebesgefühle, Barmherzigkeit, innere Bilder und Visionen, verschärfte Sinne, Aurasicht, Nähe zu Gott empfinden, wachsendes Bewusstsein. 

2. Körperliche Symptome: Schwingen, Zucken, Gebetshaltung, körperliche Harmonie, unbeabsichtigtes Verneigen, Drehen und Kippen des Kopfes, leichte Kopfschmerzen, Kribbeln in Händen und Füßen, Anstieg der Vitalkraft, Anstieg sexueller Energie, Nervosität, Klänge hören, Sehen mit geschlossenen Augen, Rauschen im Kopf (= seelische Befreiung). 

Bei Swami Sivananda steht: Ist Kundalini-Kraft erweckt, dann erfährt man heiligen Geschmack, Klänge und Gerüche. Die Augenlider lassen sich nicht öffnen. Es gibt elektrische Ströme im Körper.

Klänge und Gerüche waren mir auch bekannt. Ohne spirituellen Lehrer oder Austausch mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen machten, ist es sehr schwer, damit klarzukommen. Einerseits beruhigten mich diese Informationen, da sie organische Probleme ausschlossen. Andererseits hatte ich damals wirklich neben einer großen Neugierde auf all das auch Angst davor, was noch alles passieren könnte. Würde ich damit umgehen können? 

Ich fand auch noch eine andere Webseite, in der über Astralreisen berichtet wurde. Dort stand, dass wir uns kurz vor dem Einschlafen oder Aufwachen in einem Zustand befinden, der einer Tiefenentspannung ähnelt. 

  1. Halbschlaf: Übergang zum Traumschlaf. Kurze Bilder oder Szenen. Muskelzucken. Akustische Wahrnehmung. Berührungsempfinden. 
  2. Schlafparalyse: Man wird wach, kann sich aber noch nicht bewegen. Denken ist aktiv. Körper schläft noch.
  3. Tiefenversenkung: (z.B. wie in Savasana nach den Yoga-Asanas). Sehen von Farbmosaiken oder Schlieren. Das ist die Vorstufe zu Astralreisen. 

Wer weiß, wäre ich nicht eingeschlafen, wäre ich womöglich tiefer in diese Welt eingedrungen und gereist? Später sollten noch weitere dieser Phänomene auftreten. Allerdings beschäftigte ich mich nicht zu sehr damit, denn es ging mir um „Aufwachen/Erleuchtung/Weisheit“ und nicht um Phänomene oder Reisen in eine mir unbekannte Welt. 

In der darauffolgenden Nacht hatte ich wieder einen unglaublichen Traum, der anscheinend meine ganze Unsicherheit zum Ausdruck brachte. 

Tagebuch 17.12.2015:

„Ich bin mit meiner Freundin auf einer Terrasse. Vor uns liegt ein großer Garten. Ich schaue in den Garten und sehe eine Riesenschildkröte. Sie fliegt und trudelt dann hinunter auf die Wiese in den Garten. In der Mitte des Gartens befindet sich ein Springbrunnen. Ich rufe meiner Freundin zu, sie soll schnell nach oben schauen, denn dort würde eine Schildkröte fliegen. Meine Freundin kann die fliegende Schildkröte nicht mehr sehen.

Dann sehe ich, dass sich links neben dem Brunnen noch eine Schildkröte befindet und weiter hinten eine weitere, die in einem rasanten Tempo auf uns zuläuft. Sie wirkt aggressiv. Sie beißt mich in den Fuß. Nun kommen auch die anderen Schildkröten auf uns zu. Wir laufen davon.

In diesem Traum habe ich Schildkröten gesehen, die all das machen, was sie normalerweise nicht tun: fliegen – schnell laufen – aggressiv angreifen und beißen. 

Drei Schildkröten habe ich gesehen, die alle unterschiedlich agierten: fliegen – ruhen – laufen. 

Die hintere, schnell heranlaufende Schildkröte wollte die anderen beiden beschützen. Sie wollte uns aus diesem Garten vertreiben. Sie hat mich erst gebissen, als ich nicht gegangen bin. Nach dem Biss hatte ich Angst und bin mit meiner Freundin davongelaufen. 

Ich konnte diesen Traum nicht klar deuten. Auch heute nicht. Diese drei Schildkröten sind jedoch etwas ganz Besonderes, da bin ich mir sicher. Vielleicht taucht noch später ein Hinweis dazu in meinem Yoga-Tagebuch auf. Womöglich kam dieser Traum auch daher, weil ich mich zuvor noch mit den drei Daseinsmerkmalen des Buddhismus beschäftigte: 

  1. Vergänglichkeit: Alles verändert sich, lehrte der Buddha. Das erscheint uns offensichtlich, aber dennoch hängen wir oft an Dingen, Menschen oder Umständen, als würden sie permanent existieren. Wenn wir beispielsweise Dinge verlieren, von denen wir glauben, dass wir ohne sie nicht leben können, oder wenn wir schlechte Nachrichten erhalten, von denen wir glauben, dass sie unser Leben zerstören werden, erleben wir eine Menge Stress. Nichts ist von Dauer, auch nicht unser Leben.
  2. Leiden/Unzufriedenheit: Letztendlich ist nichts befriedigend. Selbst wenn etwas befriedigend ist – eine angenehme Zeit mit Freunden, ein wunderbares Essen, ein neues Auto – ist die Zufriedenheit nicht von Dauer, weil alle Dinge vergänglich sind. 
  3. Nicht-Selbst/Ich-Losigkeit: Buddha lehrte, dass es kein unveränderliches, dauerhaft existierendes Selbst gibt, das unseren Körper bewohnt. Wir verfügen somit über keine feste, absolute Identität, auch wenn sich das im Alltag so anfühlt.

Wenn wir achtsam sind, diese drei obigen Daseinsmerkmale an uns und allem, was uns begegnet untersuchen, hierfür Willenskraft und Entschlossenheit gegen die Trägheit unseres Geistes aufbringen, wird durch Meditation Entzücken, Ruhe/Stille, Sammlung und Konzentration sowie am Ende Gleichmut in unser Leben treten. Damit wären wir dann – sehr einfach und knapp gesagt – bei den sieben positiven Erleuchtungsfaktoren laut Buddha. 

Habt ein wunderschönes Jahr 2022, Monika 


2 Gedanken zu “Vergänglichkeit

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