Fremde Wesen (56)

Menschen, die wirklich in die Tiefe gehen möchten und nicht nur an der Oberfläche der Spiritualität kratzen wollen, werden auf dieser Reise nicht nur spirituelle Höhenflüge haben, sondern vor allen Dingen auch körperliche und seelische Schmerzen durchmachen. Das ist kein Urlaub, sondern tiefes Forschen. Hier ist nicht nur der Verstand, sondern unser ganzer Körper involviert. Verstand und Körper sind ein und dasselbe. Der Körper ist ja nur so etwas wie eine Verlängerung des Gehirns. 

Deshalb schreibe ich hier auch meine Schmerzen und die Kämpfe, die ich innerlich und äußerlich austrug, für euch auf. Es wäre mir selbst eine große Hilfe gewesen, wenn ich das alles vorher irgendwo gelesen oder einen Lehrer gehabt hätte, der sagt, das ist in Ordnung. Geh da einfach durch. 

Ich hoffe, dass diese Artikel euch auf der eigenen Reise unterstützen und motivieren, nicht aufzugeben. Als mein Verstand streikte, fiel auch der Körper regelrecht auseinander. Erst anschließend wusste ich , das war wichtig, damit es weitergehen konnte. 

2015 hatten mich die Vorträge von Krishnamurti tief berührt. Nicht emotional, wie Paramahansa Yogananda, sondern eher im Kopf. Dort wurde alles immer mehr ordentlich durcheinander gewirbelt und das “Ich” und die mir “bekannte materialistische Welt” fingen an zu wackeln. Der anschließend tiefe Schlaf ließ mich am nächsten Morgen müde und erschöpft den Tag beginnen. Aber mein Verstand konnte noch immer nicht genug bekommen, und schon gleich griff ich mir das Buch von Frawley (Die spirituelle Praxis des Vedanta), um es zu Ende zu lesen und Notizen zu machen. Anschließend ging dann bei mir gar nichts mehr, weder im Kopf, noch mit meinem Körper. Alles streikte. 

Tagebuch 29.01.2015:

“Unsere fundamentale Sucht ist das Denken. Alle anderen Süchte erwachsen diesem, wie Äste. Denken ist eine Gewohnheit unbewußter Mechanismen des Geistes. Versuche nicht zu denken und erkenne, dass es ein zwanghafter Mechanismus ist. Solange wir diese Sucht hinnehmen, manövrieren wir unser Leben in Unbewusstheit, Reaktionslosigkeit und Abhängigkeit.

Solange wir nach äußerer Sicherheit streben, werden wir unter Ängsten leiden. Der Akt des Denkens (werden wollen, kontrollieren wollen…) führt zwangsläufig in die Angst, weil das Leben nicht kontrollierbar ist.

Sein, Wahrheit oder Gott können nicht Gegenstand des Denkens sein. Der Geist/Verstand ist nie präsent, nie vollkommen gegenwärtig. Ist immer abwesend und anderswo im Werden-Wollen. Nur in Empfänglichkeit und Stille kann das Sein erkannt werden. Wenn wir Sein erkennen wollen, müssen wir zuerst selbst sein. Nur Sein kann Sein erkennen. 

Alles Denken basiert auf dem Ich/Ego und stellt sich daher immer selbst in den Mittelpunkt. Solange wir unseren Denkprozess nicht in Frage stellen, werden wir fortfahren, Täuschungen unserer eigenen Wichtigkeit zu projizieren: wie toll wir sind. Der tiefe Trieb des Werden-Wollens macht uns für diese Täuschung anfällig. Verherrlichung als materielles Objekt. Bewusstheit und unvoreingenommene Beobachtung sind nötig. Sie ziehen die Grenzen des Geistes/Verstandes und der Sinne in Betracht und führen fort von der Täuschung.”

Am folgenden Tag wachte ich mit Kopfschmerzen auf. Ich meditierte viel, und die letzten Notizen gingen mir dabei durch den Kopf. Ich spürte, dass ich Abstand von dem brauchte, was ich gerade alles gelesen hatte. In meinem Kopf gab es nur noch Salat. 

Tagebuch 31.01.2015:

“Die Kopfschmerzen sind heute besser. Ich habe mich nur ausgeruht und nicht dagegen angekämpft. War einfach faul. Nur gelesen. Keine Yoga-Lektüre, sondern einen Krimi. Der Kopf entspannt. Das hat mir gut getan. 

Nachts um 0.40 Uhr habe ich meditiert, während ich auf meinen Schatz wartete, der aus Zagreb anreiste. Ich spürte sofort, dass etwas anders war, und tatsächlich war sofort das Licht da. Auch wenn ich die Augen geschlossen hielt. Wenn ich die Augen öffnete, kam es von oben. Es kam von links nach rechts und umgekehrt. Es bewegte sich. Auch meine Bettdecke wurde ganz hell. Alles leuchtete so intensiv.”

Zwei Tage später fuhr ich mit meinen Schatz an die Nord-Ägäis in sein gemietes Haus. Weg von Istanbul. Weg vom Lärm. Weg vom Yoga-Studio und allen finanziellen Verpflichtungen und Sorgen. Sobald man Istanbul im Osten verlässt und das Industriegebiet um Gebze hinter sich gelassen hat, überquert man mit der Fähre oder der jetzt neuen Osman-Gazi-Brücke die Bucht von Izmit und kann sofort durchatmen. Der Blick auf oder über dem Wasser wird weiter und die Luft verändet sich. Der Verkehr lässt nach. Bäume und grüne Hügel tauchen auf. 

2015 fuhren wir noch über die alte Landstraße, und das war eine etwas anstrengende Fahrt, da viele LKW unterwegs waren und jede Menge risikofreudige Überholer, die immer dafür sorgten, dass man extrem aufpassen musste. Seit einiger Zeit gibt es jedoch eine Autobahn für den größten Teil unserer Strecke und über 4 Stunden, bis zur Ägäis, gibt es im Moment nur Wiesen, Felder, Hügel, Berge und freie Fahrt. 

Noch heute mache ich auf jeder Rückfahrt von Istanbul nach Hause ununterbrochen Fotos von der Landschaft und dem weiten Himmel. Das ist mir bei meiner letzten Heimreise erst aufgefallen. Es scheint mir ein so großes Bedürfnis zu sein, diese Weite festhalten zu wollen, nachdem ich die Enge von Istanbul hinter mich gelassen habe. 

Istanbul hat sich in den letzten 20 Jahren so sehr verändert. Nicht nur politisch. Auch die Infrastruktur und die Architektur haben sich verändert. Überall Hochhäuser. Jedes Mal, wenn ich wieder nach Istanbul komme, erkenne ich bestimmte Viertel nicht wieder. Überall schießen diese Riesenbauten wie Pilze aus dem Boden, und dann gibt es einen Superriesenpenis (den neuen Fernsehturm) hoch oben auf einem Hügel über Istanbul, der alles dominieren möchte. Ich frage mich stets, wie fahren die Menschen zu diesen neuen Häusern und wo parken sie? Der Stau war ja schon vor Jahren nicht zu ertragen. Wie wird der Berufsverkehr wohl jetzt sein? Ich kenne niemanden, dem dieses unkontrollierte Wachstum gefällt und selbst die, die diesen Wildbau ermöglicht haben, bereuen es angeblich heute. Es hat viele Menschen sehr reich gemacht, aber den Flair der Stadt zerstört. 

Ich bin froh, dass ich das alte und freie Istanbul mit meinen Kindern noch erleben durfte. Wir hatten eine wirklich schöne Zeit dort. Heute passen Istanbul und ich nicht mehr zusammen. 

Als ich 2010 mit Yoga anfing, brach mir nach und nach alles Materielle weg. Ich war jedoch gesund und stabil. Fühlte mich trotz allem geborgen und sicher, weil absolutes Vertrauen in mein Leben kam. Ich schrieb darüber in meinen Beiträgen.

In den darauffolgenden 5 Jahren arbeitete ich hart für meine Existenz, und da immer Yoga im Vordergrund stand, schöpfte ich aus dieser Quelle und spürte nicht, dass ich mir praktisch überhaupt gar nichts mehr leisten konnte. Kosmetikartikel oder gar ein Parfüm, etwas zum Anziehen oder ein Friseurbesuch waren nicht mehr möglich. Aber ich vermisste auch nichts. Ich ließ die Haare wachsen und machte mir einen Zopf, lief mit meinen Sportsachen sowieso direkt zum Studio, um zu unterrichten, und ich war absolut frei von irgendwelchen Wünschen. 

Ich fiel trotz dieser materiellen Armut nie in mein altes Denkmuster von Sorgen und Ängsten zurück. Ich überließ einfach alles dem Leben und schraubte meine Ansprüche total zurück. Allerdings kam ich nun langsam an meine körperlichen Grenzen, und das sollte ich 2015 sehr stark spüren. Sobald ich in der Nord-Ägäis ankam, fiel ich körperlich auseinander. 

Tagebuch 03.02.2015:

“GEBROCHEN”. Ich bin in der Mitte durchgebrochen. 

Gestern Abend bin ich sehr gut eingeschlafen und heute Morgen sorgenfrei aufgewacht. Wir bekamen Besuch von unserem Nachbarn. Reden. Reden. Reden. Seine Probleme mit der Familie und einem gerichtlichen Prozeß. Dann fuhren wir gemeinsam mit seinem Auto ans Meer, um dort Tee zu trinken und um zu reden und zu reden. Ich wollte mit unserem Auto fahren, damit ich jederzeit nach Hause konnte. Ging aber irgendwie nicht, weil der andere sich dann beleidigt gefühlt hätte? Konnte ich immer noch nicht Nein sagen?

In der Nacht gab es Regen und Hagel und nun stürmte es noch immer. Am Meer kam jedoch die Sonne hervor und die Wellen schlugen hart ans betonierte Ufer. Wir aßen und tranken etwas und unser Nachbar redete und redete. Ich erhob mich und ging ans Wasser. Ich mochte nicht reden. Wollte Ruhe. Ich merkte, wie ich mich immer mehr verspannte. 

Wieder zu Hause, zog ich mich erst einmal um. Als ich mir die Hose ausziehen wollte, gab es Schmerzen im Rücken. Nicht im unteren Rücken, wo die Geldsorgen lagen, sondern weiter oben. Irgendwie in meiner Rückenmitte. 

Ich bin im Bett und fühle mich jetzt gebrochen. Durchtrennt. Gelähmt. Kann mich nicht mehr bewegen. Gedanken steigen auf: Lass das Unterrichten, lass das Reden, ruh dich aus. GEBROCHEN.

Am Leben zerbrochen? Ich spüre, wie müde ich bin. Ich möchte nicht mehr nach Istanbul. Möchte nicht mehr reden und nicht mehr überzeugen wollen. Nicht verarscht werden wollen. Mein armer Schatz. Jetzt muss er das Essen selbst vorbereiten.“

Nie zuvor hatte ich ohne Grund solch einen Schmerz im Rücken und das Gefühl, in der Mitte vollständig durchgebrochen zu sein. Ich musste mich um mich und meinen Körper kümmern. 

Es reichte nicht, nur das Materielle aufzugeben. Auch mein Ego musste an die Reihe kommen. Es heißt ja, alles abgeben und loslassen. Ich sollte begreifen, dass ich diese Welt nicht retten muss und jeder Mensch selbst herauszufinden hat, was gut für ihn ist und was nicht. Die Abnabelung von meinen Kindern, Istanbul, den Schülern, dem Traum von einem Yoga-Studio in Istanbul, meiner ganzen Vergangenheit stand an. Wer war ich ohne meine Kinder? Ohne meine Vergangenheit? Ohne Titel? Ohne Träume und Wünsche? 

Am nächsten Tag musste ich noch immer im Bett bleiben und konnte mich nicht bewegen. Ich versuchte zu verstehen, was da gerade mit mir passierte und las noch einmal, was ich über die Chakren wusste, denn es war klar, hier lag kein organisches Problem vor, sondern eine Verspannung bzw. Blockade. 

Tagebuch 04.02.2015:

“Noch immer Rücken. Genau dort, wo das Manipura Chakra sitzt. Es ist unser Energiezentrum. Hier sitzen der Mut, die Willenskraft, die Begeisterung, unsere Durchsetzungsfähigkeit und das Charisma. Wenn dieses Zentrum offen ist, welches man auch “See von Edelsteinen” nennt, dann gibt es das Feuer (Agni) der Begeisterung. 

Meine ganze Lebensenergie ist gerade gehemmt. Total blockiert. Ich fühle Traurigkeit und Kraftlosigkeit. Mein Körper spricht zu mir, weil mein Verstand es zwar schon lange sieht aber verdrängt. Durchhalten geht jetzt einfach nicht mehr. Wozu auch? Mein Körper zerfällt. Die Frau fällt auseinander. Was für eine schwere Zeit. Mein Selbstwertgefühl ist am Boden. 

Niemand um mich herum denkt wie ich. Wer ist ehrlich zu sich selbst? Wer bin ich? Wo geht es jetzt lang?” 

Tagebuch 05.02.2015: 

“Rücken etwas besser. Ich mache alle Bewegungen ganz vorsichtig und langsam. Motivationslos. Lustlos. Freudlos.”

Tagebuch 06.02.2015: 

“Lesen. Schlafen. Sonnen. Spielen. Spaziergang. Essen. 

Ich habe im Yoga-Studio angerufen und alle weiteren Unterrichtstermine abgesagt. Ich kann das körperlich gerade nicht und tatsächlich will und wollte ich das auch schon länger nicht mehr. Ich will nicht mehr in dieses Studio. Ich habe auch den Valentinstag-Partner-Yoga-Workshop abgesagt, den ich selbst ins Leben gerufen hatte. Wie soll ich auch mit diesem Rücken Acro-Yoga-Übungen machen? Ich kann und will niemanden auf meinen Beinen tragen.

Ich muss mich von allem frei machen, was mir nichts bringt und am Ende nur traurig macht. Ich denke an zwei Schüler und überlege, was sie wohl jetzt ohne mich machen werden? Das Studio hat mich so ausgesaugt und niemand hat etwas zurückgegeben. Jetzt bin ich ganz leer. Es wird Zeit, endgültig zu gehen und diejenigen zurückzulassen, die glauben, dass sie dort Yoga machen würden. 

Das Studio wurde schon übergeben aber ich habe noch kein Geld dafür erhalten, während ich gerade am Telefon erfahren habe, dass mein Ex-Studio-Partner sich schon auf Drängeln von den neuen Eigentümern hat Geld geben lassen. Er sei in Not, hätte er gesagt. Niemand hat das mit mir abgesprochen, obwohl sie wissen, dass ich noch ein Kind durchzubringen habe. Nun habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich die Termine abgesagt habe.” 

Tagebuch 09.02.-11.02.2015:

“Krank. Erkältet und starke Kopfschmerzen.” 

Tagebuch 12.02.2015:

 “Ich muss lernen, die Welt loszulassen. Kann ich doch nicht alle, nicht mal die mir am nächsten stehenden Menschen, davon überzeugen, dass es ein universales Bewusstsein gibt, mit dem wir verbunden sind. Dass wir die große Liebe, Güte und Wärme dieses Selbst/Gott spüren können. War es das, was Jesus spüren musste? Er hat es hinausgerufen in die Welt und wurde dafür ermordet. Warum haben die Menschen solch eine Angst vor Gott/Wahrheit?

Ich muss bei mir bleiben. Muss diese Reise ganz alleine machen und nicht versuchen, andere mitzuziehen. Das ist dann zu anstrengend. Die Schritte werden dann zu schwer, weil sie belastet werden mit blöden Sprüchen, Zweifeln und Ängsten. Das nun ist die Ausgeburt und wichtige Erkenntnis meiner schrecklichen Kopfweh der letzten zwei Tage.

Ich weiß nichts und wer nichts weiß, der kann auch nichts unterrichten. Ich bin keine Sportlehrerin und ich bin keine Krankenschwester. Ich mache Yoga.

Zwei Wochen bin ich nun hier an der Ägäis und fast nur krank gewesen. Erst der Rücken und dann der Kopf. Ich will nicht zurück nach Istanbul. Nur die Sehnsucht nach meinen Kindern treibt mich zurück und die Verantwortung für die Kleine. 

Abends mache ich das erste Mal eine geführte Mettameditation über eine MeditationsApp. Sie war von MC Brigitte Schrottenbacher und dauerte eine Stunde. Nach einigen Atem- und Konzentrationsübungen wird Mitgefühl für sich selbst und alle Wesen entwickelt, indem man gedanklich wiederholt, dass man selbst und sie glücklich, friedlich und frei von Leid seien. 

Dabei wird das Umfeld für diese Wünsche immer mehr erweitert. Von sich selbst zum Raum, in dem man sich befindet über das Dorf, Land, Kontinent, Welt und bis hin zum Universum und wieder zurück, zu einem selbst. Wichtig ist hier besonders, dass Mitgefühl erst einmal bei einem selbst anfängt. Wer selbst nicht glücklich, friedlich und frei von Leid ist, kann auch kein Mitgefühl für andere entwickeln und schon gar nicht für Menschen, die man nicht sehr gerne mag oder die einem gar Leid zugefügt haben. 

Tagebuch 13.02.2015:

“Ich glaube diese Meditation war der Grund für meine Träume und Erlebnisse heute Nacht. Ganz bewusst scheinen sich die guten Wünsche in der Metta-Meditation nicht nur auf Menschen, sondern auf alle Wesen zu beziehen. Ich hatte heute Nacht das Gefühl, dass mich “Wesen” besuchten. Sie waren bei mir. Sie waren albern. Verspielt. Neckend. Neugierig. Fremd. Beängstigend.”

Ich weiß nicht, ob ihr etwas damit anfangen könnt. Hätte mir jemand so etwas vorher erzählt, ich hätte freundlich genickt und mir meinen Teil gedacht. Noch nie hatte ich so etwas erlebt. Irgendetwas besuchte mich vor dem Einschlafen. Das Verrückte ist, dass ich trotzdem, also mit diesem Wissen, dass sie da waren, sehr gut einschlafen konnte. Ich war so unglaublich müde. Ich hörte diese Wesen und konnte sie spüren. Sehen konnte ich sie nicht. Ich schloss meine Augen und da waren diese hohen und zarten Stimmen und dieses Kichern. Sie sprachen über mich und dann schlief ich ein.

Aber damit war es noch nicht vorbei. Ich notierte weiter in mein Tagebuch:

An meine Träume kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß nur, sie waren unheimlich. Als ich wach wurde und meine Augen noch geschlossen hielt, konnte ich ganz deutlich Bilder in den grellsten Farben erkennen. Zwei Füße sah ich. Zehen, die lustig zappelten. Hände konnte ich sehen, die vor den Füßen auf dem Boden flink herumfummelten. Als wollten sie mir etwas zeigen. Alles war in Blau gehalten und mosaikartig. Waren das meine Füße und Hände, die ich da sah? 

Ich war besonders von der Farbintesität fasziniert und auch erschrocken. Es war völlig irre und ich öffnete nun die Augen. Obwohl ich nichts Besonderes sehen konnte, erzeugte die Stimmung im Zimmer Gänsehaut. Ich dachte, ich will auch nichts sehen. Es war mir irgendwie unheimlich. Ich schmiegte mich an meinen Schatz neben mir, der noch schlief und fühlte mich sicherer. Ich spürte jedoch, dass etwas da war, was ich noch nicht greifen, begreifen konnte. Ich hatte keine Angst, war nur unsicher. Ich wusste, es ist nichts Böses. Nur fremd. Ich war mir nicht sicher, ob ich es schon hätte ertragen können. Ob ich schon bereit dafür war. 

Ich erinnere mich an Shivananda: Junge Menschen, die die Kraft und den Mut haben diesen Berg zu erklimmen, sind besonders geeignet, den Pfad des Yoga zu gehen. Ältere Menschen sind ängstlich und haben vielleicht nicht die Kraft.

Wahrscheinlich ist da etwas Wahres dran, denn genau das bekomme ich gerade zu spüren.”

Noch nie sah ich Hände oder Füße in meinen Träumen. Noch nie solche Farben. War das überhaupt ein Traum? Ich war ja schon irgendwie wach und nur die Augen waren noch geschlossen. Schlief der Verstand noch? Das war solch eine intensive Wahrnehmung mit geschlossenen Augen, die über die des Wachzustandes weit hinausging. 

Natürlich habe ich auch versucht, die Traumbilder zu deuten. Füße stellen die Verbindung zur Erde dar und nackte Füße bedeuten Neuigkeiten. Sie sind auch ein Ausdruck des Mitgefühls. Die Zehen im Traum werfen die Frage auf, wohin bin ich aufzubrechen bereit? Sie sind eine Aufforderung, unbeeinflusst von anderen seinen eigenen Weg zu gehen. Eine Reise steht bevor, bei der man enorme Erfahrungen sammeln kann. Du wirst deinen eigenen Weg gehen, heisst es. 

Die Hand symbolisiert Aktivität, Macht und Herrschaft. Die Farbe Blau bedeutet Harmonie. Spiritualität. Innerer Frieden. Transzendenz. 

Wenn ich nun mit euch zusammen auf diese Notizen schaue, frage ich mich, wie bin ich auf diese Metta-Meditaiton gekommen, die ich noch nie zuvor gemacht habe? Wer kam in der Nacht zu mir und woher kamen diese Bilder und Farben? Wie funktioniert das alles? Was davon ist real und was nicht? 

Immer wenn ich besonders verzweifelt war, viel Schmerzen hatte oder mich extrem einsam auf diesem Weg fühlte tauchte etwas Neues auf und motivierte mich, weiterzugehen. Da waren kein Lehrer und keine Anleitung, und daher kamen der Trost und die Kraft aus einer anderen Quelle. Es kam aus mir selbst heraus und immer dann, wenn der Verstand still war oder schlief. Die rationale und dualistische Welt der Zeit, so wie ich sie bisher kannte, verschmolz langsam immer mehr mit einer spontan auftauchenden anderen Dimension. 

Ich wünsche euch ein ganz wunderschönes Wochenende, Monika