Tür nach INNEN (37)

In diesem Beitrag werde ich das erste Mal öffentlich darüber berichten, was ich 2012 in einer Meditation erlebte. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, weil die meisten sich räumlich gerade sehr eingeschränkt fühlen. Man könnte auch sagen, die Menschheit ist gerade gezwungen, das zu tun, was ein Yogi freiwillig lernen möchte: nämlich seine Sinne zurückzuziehen und nach innen zu gehen, damit erkannt wird, dass es da draußen nichts gibt, was uns weiterbringt und dass es im Leben tatsächlich gar nichts zu erreichen gibt.

Dieses Meditationserlebnis selbst war schon sehr beeindruckend, aber noch viel fantastischer war, dass es mir erst zwei Jahre später (2014) in völliger Klarheit bewusst wurde (siehe Beitrag vom 12.04.2020).

Da ich niemanden hatte, mit dem ich darüber sprechen konnte und ich beim Meditieren immer unsicherer wurde, entschied ich mich, eine Mail an S. nach Brasilien zu senden. Sie bildete auf der ganzen Welt Menschen in Kriya-Yoga aus und ich dachte, sie würde mir hinsichtlich meiner Zweifel und Ängste helfen können.

Zuletzt sah ich S. in Istanbul Ende April 2012 und seitdem hatte ich auch nichts mehr von ihr gehört.

Tagebuch 20.08.2014

“Heute habe ich einen Brief an S. geschrieben, um meine Zweifel und offenen Fragen hinsichtlich meiner Meditationserlebnisse loszuwerden. Beim Verfassen dieser Mail geht eine Nachricht von S. ein. Sie fragt, wie es uns geht und wollte einige Daten von mir haben. Ich traute meinen Augen nicht, als die Mail in meinem Nachrichtenordner einging.  Seit Monaten haben wir nichts voneinander gehört und nun das. Zufall?”

Ich schrieb ihr folgende Mail:

“Liebe S.

… ich wollte gerne mit dir mein Meditationserlebnis teilen…

Vor ca. zwei Jahren hatte ich die erste tiefe Meditationserfahrung. In dieser Nacht hatte ich das Gefühl, ich würde explosionsartig aber gleichzeitig geräuschlos aus meinen Körper heraus direkt in den Weltraum fliegen. Dieser Raum war dunkel und gleichzeitig war da ein sehr helles Licht. Eine unendliche Weite. Hitze. Ich fühlte Liebe und Geborgenheit und ich wurde von einem unbeschreiblichen Glücksgefühl überwältigt.

Ich fühlte mich eins mit etwas unbeschreiblich Wunderbarem und Wunderschönem. In diesem Moment verlor ich all meine Ängste, einschließlich der Angst vor dem Tod. Ich war voller Energie, konnte tagelang nicht schlafen und sah trotzdem besser aus als je zuvor. Strahlend. Hell. Fremde waren mir plötzlich vertraut und begrüßten mich mit einem Lächeln. Ich wusste, dass alles gut wird und hatte hinsichtlich meiner Zukunft überhaupt keine Sorgen, obwohl gerade alles sehr ungewiss war. Ich hatte keine Arbeit und kein Geld. Und doch war ich voller Liebe für alles um mich herum.

Anschließend las ich in Büchern, dass viele Menschen diesen Zustand als Samadhi bezeichnen. Ich wusste nichts darüber.

Letzte Nacht hatte ich wieder meditiert und durfte zum zweiten Mal eine besondere Reise machen. Da ich mich ganz auf die Ein-und Ausatmung konzentriert hatte, schien es so, als würden die Gedanken still stehen. Alles um mich herum war plötzlich dunkel und absolut still. Es kam plötzlich und unerwartet. Ich war nicht darauf vorbereitet und befand mich in einer anderen Dimension. In meinem Körper begann es zu kribbeln. Überall. Ich wurde mir dessen bewusst und Unsicherheit kam auf. Das Kribbeln erschreckte mich und diese dunkle Stille ebenfalls. Ich hatte Angst, ich würde wegdriften oder ohnmächtig werden. Ich hatte Angst, ich könnte nicht mehr atmen und so kam ich zurück ins Wohnzimmer und überprüfte, ob ich noch atmete und lebte.

Dies war eine völlig andere Erfahrung als die erste.

Während die erste Meditationserfahrung vor zwei Jahren sehr positiv verlief, tauchten in der letzten Nacht Zweifel auf. Ich konnte die Kontrolle nicht abgeben. Mich nicht fallenlassen.

Liebe S., ich habe anschließend in Büchern gelesen, dass empfohlen wird, diese Erfahrung mit einem Lehrer zu teilen, da nicht alle Meditationserfahrungen positiv sind und dies zu Unsicherheiten führen kann. Ich weiß nicht, wie ich diese beiden sehr unterschiedlichen Erfahrungen bewerten soll und möchte dich daher um Rat bitten…”

Kurz zusammengefasst schrieb mir S. darauf, dass ich in der ersten Meditation die Erfahrung des kosmischen Bewusstseins erlebt hätte. Es wäre eine Art Samadhi (…) und man hätte einen Blick auf das, was man wirklich ist. Ziel sei es nun, eine Brücke zwischen unserem alltäglichen und diesem kosmischen Bewusstsein herzustellen. Während wir also einerseits unseren üblichen Aufgaben nachkommen und unsere Rechnungen bezahlen, sollen wir uns ebenfalls mit diesem universellen Bewusstsein identifizieren, welches wir sind. Es gilt, sowohl das Detail als auch das Ganze zu erkennen, bis wir in der Lage sind in beidem zu leben. Dann gibt es keine Sorgen mehr und keine Ängste. Selbst wenn wir also denken, wir seien im Dunkeln, sind wir letztendlich doch immer mit dem Ganzen verbunden.

Es gibt also nichts, wovor man sich fürchten muss. Im Transformationsprozess, den wir in keiner Weise kontrollieren können, ist es normal, dass wir Dinge erleben, die wir nicht kennen und worüber wir noch nichts wissen. Das kann uns manchmal das Gefühl geben, wir wären Opfer, aber tatsächlich spielt sich das nur auf der Ebene des Egos ab. Es ist alles richtig. Es ist der Beginn eines langen Weges der Veränderungen im materiellen Körper. Mache dir keine Sorgen und lerne deine Ängste zu beobachten, damit diese dich in der Meditation nicht stören…

Nach dieser Mail von S.  konnte ich mich wieder voller Vertrauen in die Meditation begeben und nach weiteren sechs Jahren kann ich sagen, dass ich nie wieder negative Meditationserlebnisse hatte. Alles, was Angst auslösen könnte, kommt von unserem Verstand (Ego) und nicht aus dieser liebenden Einheit.

Meditation lehrte mich zu vertrauen und sorgte dafür, dass ich Zugang zu einem Urvertrauen erhielt, was mir weder meine Eltern noch die letzten 50 Jahre meines Lebens geben konnten. Wir alle haben diese Tür nach innen, aber die meisten Menschen sind mit der Tür nach draußen so beschäftigt, dass sie die inneren Schätze gar nicht wahrnehmen können.

Wer Zugang zu diesem Vertrauen hat, der braucht auch keine Hoffnung. Der Unterschied zwischen Vertrauen und Hoffnung ist, dass Vertrauen immer da ist und zwar immer jetzt, während Hoffnung sich stets an die Zukunft richtet. Hoffnung ist nur nötig, wenn man sich jetzt in einem Zustand befindet, den man nicht haben möchte. Dann erwarten wir, dass er sich ändert, besser wird. Wir hoffen. Wir hoffen so lange, bis Änderung eintritt und dann ist scheinbar alles gut, bis die nächste Situation kommt, die uns nicht gefällt. Krankheit, Pandemie, Geldsorgen…Es nimmt nie ein Ende. Buddha nennt es das ewige Leiden (Dukkha) des Menschen.

Hoffnung und Denken gehören zusammen. Sie bewegen sich in der Zeit. In der Regel führt es auch immer wieder zu Enttäuschungen, da Hoffnung Erwartungen beinhaltet. Wenn wir etwas tun, in der Hoffung, dass sich etwas ändert, dann wird das Wunderschöne im Moment übersehen. Wir bewegen uns von hier weg und konzentrieren uns auf ein erhofftes in der Zukunft liegendes Ergebnis.

Vertrauen kommt niemals aus dem Verstand, sondern aus einer ganz anderen Tiefe, die man nicht definieren kann. Dann darf alles passieren. Das wirklich Verrückte ist ja, dass wir sowieso gar nichts ändern können. Es ist so, wie es ist und deshalb sollten wir das Schöne darin erkennen und das Beste daraus machen. Vielleicht gelingt es ja einigen in diesem globalen Ausnahmezustand still mit sich zu sitzen, die innere Quelle anzuzapfen und Ausschau nach dem Schatz von Frieden, Liebe und Weisheit zu halten.

Ich wünsche euch eine WUNDERschöne Woche, Monika