Begegnung mit REIKI (30)

Die Arbeit im Yoga-Studio ging weiter. Ich unterrichtete sehr viel, während ich gleichzeitig die Geschäfte führte. In meiner knappen Freizeit meditierte ich und konnte alles reflektieren, was ich erlebte, dachte, fühlte und wie ich handelte. Ich konnte so immer tiefer in die eigene “Person/Konditionierung” vordringen und auch immer schneller die Menschen um mich herum durchschauen. Ich spürte ganz deutlich, dass ich in einem ständigen Widerspruch lebte. Ich dachte noch immer, ich müsste etwas leisten, etwas erreichen und vor allen Dingen für andere Menschen da sein. Dabei saugte mich das Yoga-Studio förmlich aus.

Ab und zu gab ich auch Thai-Yoga-Massagen und war anschließend immer sehr erschöpft, während meine Schüler/Kunden sich himmlich fühlten. Mir wurde nahegelegt, ich solle eine Reiki-Ausbildung machen, dann würde die Energie für die Massage nicht von mir ausgehen, sondern direkt von dieser Reiki-Quelle kommen und nur durch mich hindurchfließen. Ich wäre dann nach einer Massage nicht so erledigt.

Das hörte sich für mich als Yoga-Praktizierende nicht sehr logisch an. Ich glaubte an nichts, was ich nicht selbst erleben durfte. Ich war eine wirklich sehr kritische Forscherin während meiner inneren Reise. Noch immer hatte ich keine Erfahrung mit irgendwelchen spirituellen Gruppen oder Ritualen und aus reiner Neugierde ließ ich mich daher auf Reiki ein. Wir wollten diese Ausbildungen sowieso im Studio anbieten und so konnte ich vorher wenigstens schauen, was es damit auf sich hat.

Reiki kommt ursprünglich aus Japan und existiert erst knapp 100 Jahre. Somit ist es noch sehr jung im Vergleich zu Yoga. Der Begründer Mikao Usui wurde 1865 geboren und soll nach seiner Erleuchung in den 1920iger Jahren die Usui Reiki Ryoho (Usui-Methode der Reiki-Heilung) begründet haben. Jeder Reiki-Meister, so auch meine Lehrerin, kann die Linie der Lehrer bis zum Begründer Usui zurückverfolgen.

Das Wort Reiki besteht aus den Silben Rei (göttliche Gabe) und Ki (Lebensenergie). Hier im Westen spricht man von einer energetischen Heilmethode. Tatsächlich soll es sich jedoch an erster Stelle um einen spirituellen Entwicklungsweg handeln und erst an zweiter Stelle soll das Heilen stehen.

Wenn wir uns also spirituell entwickeln und sozusagen die göttliche Energie anzapfen, können wir andere in diese Entwicklung mit einbeziehen und heilen, indem wir unsere Hände auflegen und diese Energie fließen lassen.

Nachdem ich mehr über Reiki erfuhr, wurde ich etwas gelassener und im April 2014 absolvierte ich Reiki I. und II. Ich hatte vor allen Dingen seit langer Zeit das Gefühl, ich würde endlich mal wieder etwas für mich tun.

Trotzdem waren da noch Zweifel, denn es gab diese Verbindungszeremonien, bei denen komplizierte Zeichen/Symbole in der Luft und über den Körper des zu heilenden geschrieben wurden. Sie sollten nicht nur den Raum reinigen, sondern auch Verbindung zu den verstorbenen Meistern herstellen. Am 19. April 2014 fand meine Reiki-Einweihungszeremonie statt.

Tagebuch 19.04.2014:

“Bei der Einweihungszeremonie an den Füßen habe ich mit geschlossenen Augen blaue und lila farbende Lichter gesehen.”

Wir sollten anschließend 21 Tage lang Reiki an uns selbst und erst anschließend bei anderen Menschen anwenden. Ich habe es jeden Abend und jeden Morgen bei mir durchgeführt und ich habe alles in meinem Yoga-Tagebuch notiert.

Ich habe Reiki praktisch überall ausprobiert. Bei mir, wenn ich Kopfschmerzen hatte, bei meinen Kindern, wenn es ihnen nicht gut ging oder wenn sie Schmerzen hatten. Selbst meine Zimmerpflanze wurde behandelt, weil sie nicht mehr ganz frisch aussah.

Nach 21 Tagen habe ich es auch bei meinen Schülern nach der Thai-Yoga-Massage angewendet. Meine Erfahrungen waren ausschließlich positiv. Reiki hatte tatsächlich immer irgendwie gewirkt. Ohne, dass ich einen direkten Kontakt mit meinen Händen zu den Dingen oder Personen herstellte, fing es in meinen Händen an zu kribbeln und Wärme ging von den Händen auf das Objekt über.

Und doch tauchten bei mir immer wieder Fragen auf. War das alles mit Yoga zu vereinbaren? Ich konnte den Widerspruch zwischen dem, was ich inzwischen unter Yoga verstand und dem, was Reiki war, sehr deutlich spüren, aber ich konnte es noch nicht definieren. Alles spielte sich noch immer nur in meinem Verstand ab.

Tagebuch 24.04.2014:

“Spät in der Nacht habe ich noch nach einer Reiki Selbstbehandlung meditiert. Dabei habe ich an Paramahansa Yogananda gedacht. Irgendetwas war anders. Die Dunkelheit war plötzlich wie feste Materie. Als könnte ich nicht durch sie hindurchdringen. Als säße ich in schwarzer Kohle. Die Schwärze war so nah, so fest und so echt, so als könnte ich sie anfassen. Hat das etwas mit Reiki zu tun? Damit, dass wir am Ende der Reiki-Sitzung die drei schützenden Ballons um uns aufbauen, so dass nichts mehr zu uns hindurchdringen kann? Ist es so, dass wir zwar so geschützt werden, damit uns nichts Schlechtes erreichen kann aber gleichzeitig auch nicht mehr in die Ferne und Freiheit vordringen können?”

Ich studierte weiterhin fleißig meine aus Deutschland mitgebrachten Yoga-Bücher, machte meine Atemübungen und Meditationen. Um Reiki erfolgreich anzuwenden, musste ich nun außerdem noch jeden Tag eine symbolische Verbindung zur sogenannten Reiki-Quelle herstellen. Ich versuchte, dies regelmäßig zu machen aber es erschien mir nicht wirklich schlüssig. Allerdings sah ich auch keine Gefahr darin und zog das erst einmal eine zeitlang durch.

Ab 2015/16 wendete ich Reiki nicht mehr an und wie es dazu kam, ist eine ziemlich spannende Geschichte, die ich erzählen werde, wenn ich mit meinem Tagebuch hier angekommen bin. Nur soviel vorab: Auf Anweisung eines spirituellen Meisters sollte ich mich von Reiki vollkommen zurückziehen und durfte seiner Gemeinschaft erst beitreten (das hatte ich damals vor), nachdem ich 1 Jahr lang kein Reiki mehr angewendet hatte und sozusagen “sauber” war.  Als ich mich von Reiki abwendete, geschahen sehr merkwürdige Dinge und ich würde daher heute, was die Einweihung und Anwendung von Reiki betrifft, nicht mehr so naiv, sondern sehr viel vorsichtiger sein.

Ebenfalls im April 2014 kam es zu einer weiteren sehr interessanten Begebenheit.  Nachdem ich über das Buch von Paramahansa Yogananda “Autobiographie eines Yogi” und den wöchentlichen Lehrbriefen von der Self-Realisation-Fellowship so viel über Kriya-Yoga gelesen hatte, stellte ich in den letzten Wochen diesbezüglich in der Türkei Nachforschungen an. Und tatsächlich fand ich in Istanbul eine kleine Kriya-Yoga-Gruppe. Diese war gerade damit beschäftigt, in Istanbul ein Treffen und eine Einweisung in Kriya-Yoga zu geben. Ich stellte unser Studio für dieses Seminar zur Verfügung und freute mich auf eine Kriya-Yoga Lehrerin, die hierfür extra aus Brasilien angereist kam.

Davon werde ich im nächsten Beitrag berichten. Ich hoffe, ihr könnt jetzt schon langsam erkennen, wie spannend ein sogenannter “Yoga-Weg” bzw. eine innere Reise sein kann. Es ist eine lange und auch mühsame Suche und gleichzeitig eine extreme Entwicklung in und an einem selbst, wenn man kritischer Beobachter bleibt.

Wie lange die Reise letztendlich dauert, hängt immer davon ab, wann man erkennt, dass man sich im Kreis dreht und endlich den Mut aufbringt, stehen zu bleiben und genau hinzuschauen. Ich war 2014 noch nicht so weit und daher noch immer auf der Suche nach einem Lehrer.

Bis heute bin ich ihm nicht begegnet, aber einiges, was ich gelesen habe, hat mir sehr geholfen und das möchte ich hier nach und nach mit euch teilen. Mein einziger Lehrer war meine Angst, und nur sie war es, die mich letztendlich ins Nichts katapultierte und für immer von dem Irrglauben, da wäre jemand, der Angst haben könnte, befreite.

Ich wünsch Euch ein schönes Wochenende, Monika