B.K.S. Iyengar

Wenn wir an Yoga denken, dann fallen uns als erstes die Yoga-Posen (Asanas) ein. Diese Asanas haben ihren Ursprung im Hatha-Yoga, der sich in den ersten Jahrhunderten nach Chr. aus dem tantrischen Yoga entwickelte.

Wer sich zum Yoga-Lehrer ausbilden lässt, lernt neben der Yoga-Philosphie vor allen Dingen die Asanas und Atemübungen, die während der Körperanstrengung angewendet werden, um diese zu halten und zu vertiefen. Unweigerlich stößt man dann auch auf den Namen Iyengar. Er war einer der größten und bekanntesten Hatha-Yoga Lehrer des 20. Jahrhunderts und ist erst 2014 im Alter von 96 Jahren gestorben.

Als er 1918 in Indien auf die Welt kam, war er ein sehr kränkliches Kind und man ging davon aus, dass er wie alle seine männlichen Vorfahren sehr früh sterben würde. Tatsächlich fing er jedoch als Teenager an, bei Krishnamacharya (der später sein Schwager wurde) Yoga-Unterricht zu nehmen, so dass sich sein Gesundheitszustand verbesserte. Er selbst unterrichtete dann 75 Jahre lang Yoga und schrieb mehrere Bücher.

Unter Anwendung seiner Bücher und seiner auf der ganzen Welt gegründeten Hatha-Yoga-Schulen wird Hatha-Yoga heute überall gelehrt. Vom Time-Magazine wurde er sogar einmal zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt.

Seine sehr strenge und disziplinierte Art ist nicht überall gut angekommen, aber sicher ist, dass er den heutigen Hatha-Yoga-Stil sehr beeinflusst hat. Er unterrichtete in großen Gruppen und legte sehr großen Wert auf Präzision und Ausrichtung der Asanas. Außerdem verwendete er im Unterricht als erster Hilfsmittel, wie Blöcke, Gurte, Stühle, um die Posen zu vertiefen oder Menschen mit Behinderungen den Zugang zum Yoga zu ermöglichen.

Auch in meiner Hatha-Yoga-Lehrer-Ausbildung profitierte ich sehr von seinem Experimentier- und Forschersinn. Anatomie, Präzision in den Posen (vor allen Dingen, damit man sich nicht verletzt) und die richtige Atmung waren Grundpfeiler meiner Ausbildung. Es gab und gibt bei mir keinen Unterricht ohne die üblichen Hilfsmittel, wie Blöcke, Gurte und Stühle. Ich lasse selbst  für die eigene Praxis oder auch im Unterricht weder die Wand, noch den Tisch oder die Tür aus. Alles um mich herum wird mit einbezogen, selbst die anderen Teilnehmer können zu einem Yoga-Hilfsmittel werden, wie man gut beim Acro-Yoga sehen kann.

Sein Wissen hinsichtlich der Yoga-Asanas hat Iyengar in seinem Buch “Light on Yoga” (Licht auf Yoga) zusammengefasst. Ich möchte darauf hinweisen, dass viele Posen dort nicht für uns Europäer geeignet sind und diese niemals alleine, sondern nur unter der Anleitung eines erfahrenes Lehrers durchgeführt werden sollten. Das gilt insbesondere für den Kopf- und Schulterstand, die bei falscher Anwendung zu erheblichen Verletzungen im Nackenbereich führen können.

Auch seine Experimente und gesammelten Erfahrungen in Bezug auf die Yoga-Posen bei bestimmten Krankheiten sind ein wahrer Schatz, auf den wir heute in seinem Buch “The path to holistic health” (Yoga, der Weg zu Gesundheit und Harmonie) zurückgreifen können. Ich denke, dass auch die heutige Schulmedizin sehr von diesem Wissen profitiert. Er hat Yoga-Sequenzen für fast jede Krankheit entwickelt. Egal, ob es sich um spezifische Frauen- oder Männerkrankheiten handelt, um Migräne, Herzprobleme, Bluthochdruck, Rückenprobleme, Hautausschläge usw.

Auch sein Werk “Light on Pranayama” (Licht auf Pranayama), in dem er sein eigenes und das über Jahrtausende gesammeltes Wissen über die Atemtechnik, deren Anwendung und die Auswirkung auf Geist und Körper niederschrieb ist für alle, die Yoga unterrichten unverzichtbar. Erst die Posen in Kombination mit der richtigen Atmung ergeben einen Sinn.

Seine Aussage: “The mind is the king of the senses. The breath ist the King of the mind.” hat sich unlöschbar in jede Zelle meines Körpers eingeprägt. Nur mit Hilfe der Kontrolle über meinen Atem und somit über den Geist bin ich über die Panikattacken hinweggekommen.

In You-Tube gibt es ein Video, indem er einmal einatmet und ausatmet. Da ist er schon 75 Jahre alt und ich denke, kein zwanzigjähriger Nichtraucher in Europa hat so einen Atem. Es ist kaum bekannt, dass Atem in jedem Alter trainiert, verlängert und vertieft werden kann.

Menschen, mit denen ich Atemübungen durchführe, staunen immer wieder darüber, wie sehr die erlernte Atemtechnik sich auf ihren Alltag und ihre Schlafgewohnheiten auswirkt.

Weitere Werke von Iyengar sind “Light on Life” (Licht auf Yoga), welches weltweit als das maßgebliche Standardwerk zum Hatha-Yoga gilt und “Der Urquell des Yoga”, in dem Iyengar die 195 Yoga-Sutras des Patanjali neu übersetzt und erläutert hat.

Was für ein Glück wir doch haben, an diese uralten Weisheiten in Form von Büchern, Internet und durch herumreisende Lehrer herangeführt zu werden, ohne dass wir unsere Umgebung verlassen und in die Ferne reisen müssen. Ohne Yoga und ohne diese Meister würde ich auch heute noch ein unbewusstes Leben voller Ängste führen. Noch immer würde ich herumanalysieren und fortlaufen, anstatt innezuhalten, zu forschen, zu lauschen und zu verstehen.

Aber nicht nur in Asien, sondern auch auf anderen Kontinenten gab es dieses Wissen über die Natur, über unseren Körper und wie alles zusammenhängt. Bei den Australiern, den Indianern und auch in Europa. Leider wurden diese Menschen und somit ihr unschätzbares Wissen im Namen Gottes, der Gier nach Land und dessen Schätze und der unglaublichen Arroganz des weißen Menschen ausgerottet, und so ging uns das Meiste verloren.

Wenige Jahrzehnte später kam diese Weisheit über Indien wieder nach Amerika und von dort nach Europa, wo wir sie nun Yoga nennen.

Von ganzem Herzen ein Dankeschön an all diejenigen, die diese Warheiten schützten und an diesen großartigen Lehrer, der sie uns vermittelte.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Sonntag, Monika