Paramahansa Yogananda

An dieser Stelle möchte ich euch das Buch “Autobiographie eines Yogi” vorstellen. Ich bekam dieses Werk vor meiner Australienreise 2012 geschenkt und nahm es daher mit. Dieser Yogi hat mich sehr stark beeinflusst und er ist es auch der mich immer wieder inspiriert, den eigenen ganz bescheidenen Yogaweg aufzuschreiben.

Ich hatte zuvor nie etwas von Paramahansa Yogananda gehört und ich wusste auch nicht, dass er bei so vielen Menschen (vor allen Dingen in Amerika) beliebt war. Ich lese gerade im Internet, dass er Herzen von Thomas Mann über George Harrison bis Steve Jobs öffnete, der übrigens nach seinem Tod an alle Anwesenden auf der Trauerfeier ein Exemplar verschenken ließ.

Dass man ihn hauptsächlich in Amerika kennt liegt daran, dass er 1920 von seinem Lehrer Sri Yukteswar (Autor des Buches “Die heilige Wissenschaft”) von Indien nach Amerika geschickt wurde, um die Völker einander näher zu bringen. Er sollte den Menschen im Abendland davon erzählen, dass die indische heilige Schrift, die Bhagavad Gita und die heilige Bibel im Abendland die gleichen Botschaften beinhalten.

Paramahansa schreibt über seinen Lehrer: ”Nie wieder bin ich im Osten oder Westen irgendjemandem begegnet, der die christliche Bibel mit einer solch tiefen göttlichen Einsicht erläutern konnte, wie Sri Yukteswar.” ( Die Seitenzahlen beziehen sich hier stets auf die 1. dt. Taschenbuchausgabe SRFP 6. Nachdruck, 2007,  S. 195, Fußnote 20).

Paramahansa Yogananda hatte nichts außer sein großes liebendes Herz und etwas Geld von seinem Vater dabei, als er mit dem ersten Passagierschiff, das nach dem ersten Weltkrieg wieder nach Amerika fuhr, der “City of Sparta”, ohne Begleitung in Amerika ankam. Die Überfahrt dauerte damals 2 Monate.

Er wurde zuächst überall willkommen geheißen und herumgeführt wie ein exotischer Paradiesvogel. Anschließend konnte er die Menschen jedoch auch mit seinen Aussagen und Lehren überzeugen. Er hielt Vorträge über Philosophie und Religion in ganz Amerika. Er wollte, dass die Menschen nicht nur an einen Gott glauben, sondern dass sie Gott selbst in sich erkennen. Hierfür wollte er ihnen Kriya-Yoga beibringen. Kriya-Yoga bedeutet die Vereinigung (Yoga) mit dem Unendlichen durch eine bestimmte Handlung oder einem bestimmten Ritus (Kriya). (S. 267)

Diese Methode wurde ihm, seinem Lehrer und dessen Lehrer Lahiri Mahasaya von Babaji übermittelt, der in Indien als Avatar gilt. Dabei soll Babaji zu seinem Schüler Lahiri Mahasaya gesagt haben:

“Der Kriya-Yoga, den ich der Welt in diesem 19. Jahrhundert durch dich übergebe, ist eine Wiederbelebung derselben Wissenschaft, die Krishna vor mehreren Jahrtausenden Arjuna (aus der Bhagavad-Gita) vermittelte und die später auch Patanjali und Christus sowie Johannes, Paulus und anderen Jüngern bekannt wurde”. (S. 268).

Wenn man die Bilder von damals anschaut, kann man nur staunen, was für Menschenmassen Yogananda in Amerika angezogen hat. Heute würde man sagen, er war ein Superstar und hätte sicherlich Millionen von Followern auf Instagram und Twitter. Er füllte ganze Theater- und Veranstaltungshäuser. Er wurde auch ins Weiße Haus eingeladen und führte regen Austausch mit anerkannten Politikern, Wissenschaftlern und Autoren in Amerika selbst und auf der ganzen Welt.

Ob es an seiner Persönlichkeit und Ausstrahlung lag oder an dem Segen, den ihm sein Lehrer am letzten Tag mit auf dem Weg gab, wird uns ewig ein Rätsel bleiben.

“Das Schicksal ist dir günstig. Überall, wo du hinkommst, wirst du aufrichtige Seelen anziehen und selbst in der Wildnis Freunde finden.” (S. 391)

Paramahansa Yogananda fand nach einigen Jahren Schüler, die ihn auch finanziell unterstützten, und so entstand 1925 auf dem Mount Washington in Los Angeles das amerikanische Mutterzentrum der Self-Realization Fellowship.

(Bilder:  https://www.yogananda-srf.org/pybio/Ein_Pionier_des_Yoga_im_Westen.aspx)

Er schreibt in seiner Autobiographie, dass es “dasselbe Gebäude” ist, “das ich Jahre zuvor in meiner Vision in Kaschmir erblickt hatte.” (S.397)

Er lebte 32 Jahre in Amerika und hat selbst mehr als 100.000 Menschen in Kriya-Yoga eingeweiht. Seine Autobiographie, die er 1946 beendete, seit 70 Jahren im Druck ist und in 52 Sprachen übersetzt wurde, gibt einen Einblick in sein Leben in Indien und Amerika. Das Faszinierende an diesem Buch ist, dass es das erste autobiografische Buch eines Yogi ist, denn bis dahin hielten diese ihre Erfahrungen und Lehren immer geheim. Hier fand nun eine von seinen Lehrern ausdrücklich geforderte Öffnung eines Yogi-Herzens statt und somit können sich Menschen, die Gott finden möchten, bis heute auf der ganzen Welt daran erfreuen.

Die letzten Worte seines Lehrers Yukteswar vor seiner Abreise nach Amerika lauteten weiter:

“Allen, die Gott suchen und voller Vertrauen zu dir kommen, wird geholfen werden. Wenn du sie anblickst, wird ein geistiger Strom von deinen Augen ausgehen und in ihr Gehirn dringen, der ihre materiellen Gewohnheiten neutralisiert und ihnen Gott wieder in Erinnerung ruft.” (S.391)

Da er schon 1952 verstorben ist, kann ich nicht wissen, ob es stimmt, aber es scheint so, als würde diese Kraft in seiner Autobiographie weiterleben. Ich habe in meinem Leben sehr viele Bücher gelesen aber das, welches immer wieder mal in meinen Händen landet und am meisten abgenutzt ist, ist sein Werk. Fast alle Bücher verschenke ich auch, wenn ich sie gelesen habe aber dieses Buch würde ich nie verschenken. Dafür habe ich schon einige Exemplare mehr gekauft und an die Menschen verschenkt, die mir wichtig sind. Ob die Botschaft jedoch bis in ihre Herzen vordringt, weiß ich nicht. Das liegt nicht in meinen Händen.

Ich könnte jetzt hier noch viel über die unglaublichen Begegnungen und Geschichten erzählen, die Paramahansa Yogananda in diesem Buch beschreibt, aber das müsst ihr dann schon selber lesen, wenn es euch interessiert J. Sie sind zum Teil so unglaublich, dass man sie mit dem Verstand oft nicht nachvollziehen kann. Ich denke aber, dass es auch keine Rolle spielt, ob man das eine oder andere glaubt oder nicht. Ich bin heute davon überzeugt, dass er genau das aufgeschrieben hat, was er erlebt hat.

Viel wichtiger als all diese unglaublichen Begebenheiten in diesem Buch ist für mich das Wunder, wie, wann und von wem das Buch zu mir kam und was es in mir selbst auslöste. Ich durfte das erste mal in meinem Leben LIEBE spüren, ohne dass sie sich auf ein bestimmtes Objekt bezog. Ich lernte, mich noch mehr zu öffnen und zu vertrauen und ließ somit ebenfalls Wunder in mein Leben.

Noch auf dem letzten Abschnitt meiner Reise in Australien sollte sich meine eigene erste Vision vom Yoga-Retreat erfüllen, und davon möchte ich euch im nächsten Beitrag berichten.

Mit den besten Wünschen für ein wunderschönes Wochenende, Monika

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