Getriebene

Wir sind unterwegs, weg vom Dorf und der ruhigen Routine, rein in die Stadt. Erst merke ich es gar nicht, wie mich der Sog packt, weil alles so neu und interessant zu sein scheint. Typischerweise passe ich mich meinen Mitmenschen und dem Umtrieb in der Stadt an. Dann geht es los. Die Verspannungen in Nacken und Rücken und die Kopfschmerzen.

Unzufriedenheit macht sich breit, denn ich merke, dass mich das alles nicht wirklich interessiert. Ich versuche Distanz zu halten, aber es ist noch immer nicht einfach, das MUSS aller Menschen um mich herum zu ignorieren. Man muss Behördengänge machen, muss bestimmte Dinge einkaufen, die angeblich fehlen, muss dies und das gesehen, gegessen oder erlebt haben. Man muss nach dem ersten Kaffee im Bett aufstehen, um all die MUSS und SOLL zu bedienen. Den Tag Punkt für Punkt abhaken.

Das einzige, wonach ich mich sehne, ist die Natur. Der Wald. Gibt es sonst irgendwo auf der Welt so viel Vogelgesang wie in Deutschland? Spaziergänge. Atmen. Wieder bei mir ankommen. Ruhe.

Es ist erstaunlich, je langsamer ich in den letzten Jahren mit Hilfe von Yoga/Meditation geworden bin, desto mehr scheinen alle anderen Menschen an mir vorbeizurennen. Selbst die, die man normalerweise als ruhig und gelassen beschreiben würde, ziehen im Eiltempo an mir vorbei. Es gibt so viel zu erledigen. Alles scheint so wichtig, vor allen Dingen die eigene Person. Sie sind ständig auf der Suche, und ich weiß nicht, was sie suchen. Ich spüre, ich bin ganz allein. Es ist keiner da, auch wenn sie mit mir sind.

Am Anfang habe ich versucht, mit meinen Mitmenschen darüber zu reden. Ihnen von meinen Erfahrungen zu berichten. Ich habe versucht, ihnen in die Augen zu schauen oder ihre Hände genommen und gesagt, wir brauchen gerade nichts. Alles ist hier. Dann schauen sie mich mit großen Augen an und im nächsten Moment ist ihr Geist schon wieder unterwegs, auf der Suche nach dem nächsten MUSS.

Ich verstehe, denn ich kenne das von mir ja auch. Sie hören nicht zu. Können nicht zuhören. Am Anfang dachte ich, ich könnte das ändern, indem ich einfach schneller spreche und auf diese Art und Weise um ihre Aufmerksamkeit kämpfe. Das funktionierte aber nur, wenn meine Worte für den Geist meines Gegenüber so viel Interesse weckten, dass sie ein klingelndes Telefon, vorübergehende Menschen oder andere auftauchende Gedankengänge verdrängen konnten.

Also versuchte ich das, was hier ist, in den schönsten Worten zu schildern und auszuschmücken. Ich merkte, dass sie dann an den Farben und dem Glanz der Worte hingen, ohne zu verstehen, was ich ihnen eigentlich sagen möchte und was hinter diesen Worten liegt. Ich begriff, dass sie diese Wunder aufsaugten, so wie sie sonst auch alles andere konsumieren, und Konsum bedeutet Zukunft. Dann entsteht die Frage, was bringt mir das? Was kann ich dann und dadurch wieder erreichen und was muss ich dafür tun?

Ich habe die Wahl. Ich kann mich wieder verkleiden. Nicht als Juristin, Geschäftsführerin oder Yogalehrerin, sondern diesmal als spirituelle Showmasterin. Ein weites Gewand und viele Effekte sollten die Aufmerksamkeit bündeln können und vielleicht hören dann viele zu und vielleicht gibt es Hoffnung, dass einige verstehen. Oder ich erkenne, dass jeder Mensch immer dann auf diese Weisheit stößt, wenn seine Zeit reif ist und bleibe still.

Deshalb ist jede Lebenskrise auch eine riesengroße Chance. Egal ob es Drepessionen, Panikattacken oder schwere Krankheiten sind, die uns aus der Bahn des Alltags werfen. Wenn wir dadurch erkennen, dass es sich nicht lohnt zu rennen, dass es da draußen nichts gibt, was uns wirklich glücklich und zufrieden macht und bereit sind innezuhalten, dann gibt es noch diesen wunderbaren Weg nach innen. Eine Reise, die keine Zeit kennt und uns zeigt, wer wir wirklich sind und die das, was geschieht in ein ganz neues LICHT stellt.

Ich wünsch euch eine schöne Woche, Monika