Ein „scheinbarer“ Yogaweg (1)

 

  1. Einleitung

Heute Morgen bin ich aufgewacht und wusste, worüber ich schreiben, also was ich mit euch teilen möchte.

Dieser Blog ist ursprünglich entstanden, um Menschen, die Ängste haben, eine Plattform zum Austausch zu geben. Vor allen Dingen sollte er diejenigen begleiten, die sich mit den Inhalten aus dem Buch “Frei von Panikattacken und Flugangst” auseinandersetzen möchten.

Es fällt mir immer schwerer, neue Beiträge zu schreiben, die sich mit Ängsten befassen, da es am Ende immer um das Gleiche geht:

Halte in deinem Leben inne, schau wie du funktionierst und was die Angst dir sagen will, benutze hierfür die Werkzeuge der Meditation und die kontrollierte Atmung, gehe letztendlich in die Angst hinein und schau, wie sie sich auflöst. Wie man das alles macht und meine eigenen Erfahrungen diesbezüglich habe ich in meinem Buch ausführlich beschrieben.

Viele Menschen haben heute noch immer Vorurteile und Berührungsängste hinsichtlich des Yoga und der Meditation. Schon wenn die Worte Yoga oder Meditation erwähnt werden, legen einige die Scheuklappen an. Ich höre Argumente, wie “das ist alles Blödsinn” und “das ist nichts für mich”, ohne dass sie sich jemals nur eine Minute damit beschäftigt hätten.

Ich frage mich, ob sie instinktiv wissen, dass es tatsächlich die schwierigste Aufgabe eines Menschen sein kann, nur 5 Minuten mit sich ganz alleine in der Stille zu sitzen und sie womöglich deswegen diese Methode weit von sich weisen?

Auch ich bin nicht als Yogi auf die Welt gekommen und möchte daher hier in mehreren Schritten teilen, wie ich zum Yoga gekommen bin. Es könnte einigen Skeptikern Mut machen und ihnen die Angst vor “Yoga” nehmen. Denn schließlich ist “Yoga” erst einmal nur ein Wort, dass mit den eigenen Fantasien belastet ist. Ich nehme an, die meisten stellen sich unter Yoga eine Religion vor und auch einen Guru, dem man folgen muss. Womöglich gehören auch sexuelle Enthaltsamkeit, das Verweilen in einer Höhle und vegetarisches Essen dazu. Außerdem hat man auch irgendwo aufgeschnappt, dass man extrem anstrengende körperliche Übungen machen und hierfür sehr gelenkig sein muss.

Leider muss ich euch hier enttäuschen, denn das hat mit Yoga alles nichts zu tun. Yoga ist Meditation und findet nur in der Stille statt. Wer sich mit Yoga nie ernsthaft beschäftigt hat, der nimmt über Yoga nur das wahr, was laut an der Oberfläche in den Medien oder unserem Umfeld in Erscheinung tritt.

Ich kann mich gut erinnern, das mein erster Kontakt mit so etwas wie Yoga in den 80iger Jahren die Bhagwan-Sekte war. Ich hatte eine Arbeitskollegin, die nach Indien reiste und anschließend mit einem orangen Gewand ins Büro zurückkam und all ihr Hab und Gut auflöste. Ich hielt sie für völlig durchgeknallt. Wir sahen in ihr eine verlorene und ausgenutzte Seele und versuchten lange Zeit, sie davon abzubringen. Am Ende ließen wir sie in Ruhe, hatten aber ein Gefühl von Mitleid für sie. Dieses Mitleid beruhte – so weiß ich heute – auf unserer eigenen Arroganz, indem wir uns für bodenständige und intelligente Menschen hielten, die es besser wussten.

So wenig, wie Jesu Worte etwas mit der organisierten Kirche oder der Koran etwas mit den islamistischen Terroristen zu tun hat, sowenig hat Yoga mit dem zu tun, was wir über Yoga zu “wissen glauben”.

In meiner Kindheit bin ich nie mit einem Glauben in Berührung gekommen. Das lag daran, dass mein Vater die Einstellung hatte, jeder muss, wenn er erwachsen ist, selbst entscheiden, ob und mit welcher Religion er sich befassen möchte. Ich war daher ein völlig unbeschriebenes Blatt und außerdem ein großer Zweifler, was jeglichen Glauben betraf. Daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Dass ich diese freie Entwicklung machen durfte, dafür bin ich meinen Eltern heute sehr dankbar.

Alles andere wäre eine Konditionierung in eine Richtung gewesen und ich hätte womöglich nie diesen freien Blick auf alles haben können. Ich weiß, wie schwer es viele Menschen haben, sich von dieser seit Kindertagen eingetrichteten Meinung über Gott und die Welt zu befreien, wenn es ihnen am Ende zu eng vorgekommen ist.

Aber auch die ewigen Skeptiker und Zweifler, so wie ich einer war, diejenigen, die so von ihrem eigenen Verstand überzeugt sind, dass sie nicht in der Lage sind, nur ein einziges Mal darüber hinauszublicken, haben es nicht leicht, sich auf Yoga einzulassen.

***

Nachdem ich Yoga – oder Yoga mich – gefunden hatte, fing mein ganzes Weltbild an zu bröckeln. Dadurch sind viele neue Fragen und Unsicherheiten aufgetreten. Da es aber in meiner unmittelbaren Umgebung niemanden gab, den ich hätte fragen können, fühlte ich mich diesbezüglich sehr einsam und hilflos. Ich lebte im Ausland und so stand mir auch nicht immer gleich die Literatur zur Verfügung, die ich hätte brauchen können. Deshalb musste ich unvorbereitet Erfahrungen machen, und anschließend versuchte ich irgendetwas darüber im Internet oder in der Literatur zu finden, wenn ich Zugriff auf entsprechende Bücher hatte. Man muss schon ein ziemlich starkes Selbstvertrauen oder keine andere Wahl haben, um sich ganz alleine auf so eine tiefe Reise zu begeben.

Es geht bei meinen Aufzeichnungen nicht darum, meine eigene Person ins Licht zu stellen, denn wer sich intensiv mit Yoga beschäftigt, weiß, dass das eigene ICH und somit auch die eigene Geschichte immer mehr in den Hintergrund rücken.

Es geht darum, zum einen den ewigen Zweiflern und Besserwissern und zum anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und dem Bedürfnis nach Verständnis und Austausch ein Licht zu sein. Ihnen zu sagen, es ist alles gut, du kannst gar nichts falsch machen, ja, ich hatte ähnliche Erlebnisse, wir bilden uns das alles nicht ein und ja, du bist normal. Geh weiter.

Mein Yogaweg war sicher kein besonderer, aber vielleicht kann er andere Menschen inspirieren, diesen zu wagen und/oder voller Vertrauen weiter zu gehen. Die Zahl derjenigen, die unter Panikattacken (ca. 20%) oder Depressionen leiden, nimmt stetig zu und die Betroffenen werden immer jünger. Schon Schulkinder müssen sich damit herumplagen und Medikamente nehmen, damit sie den Schulalltag bewältigen können.

Die Alternative zu einem Leben in Angst, Depressionen oder mit Medikamenten könnte also die des Yoga sein. Es scheint mir besser und auch gesünder zu sein, darauf zu hören, was die Angst mir sagen möchte, meinem eigenen Körper zu vertrauen und mich von ihm führen zu lassen, anstatt diese natürliche Intelligenz in Pharmazeutika zu ersticken.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und im 2. Teil schreibe ich, wie ich auf Yoga traf.


8 Gedanken zu “Ein „scheinbarer“ Yogaweg (1)

  1. Danke für diesem Beitrag, bin schon auf den zweiten Teil gespannt. Meine erster Impuls zu Yoga und Meditation kam in der Schule, mit 14-15, durch einen Schulkameraden, der davon erzählte, der wiederum angeregt von seinem Bruder, der später Heilpraktiker war. Das war der Anfang, sitzen, still sein, nach innen horchen … 2 – 3 Jahre später kamen andere starke Impulse durch G. Meyrink’s „Das Grüne Gesicht“ hinzu … dann einige Jahre Pause, doch immer wieder kam es zurück. Heutzutage 1 – 2 Stunden am Tag, auf zweimal verteilt, Morgens und Nachmittags, so selbstverständlich, wie Essen und Trinken. Ohne Absicht ohne Ziel … nur das!

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    1. Was für ein Glückspilz Du doch bist lieber Arkis. Ich musste auf Yoga so lange warten, bis mein Körper den Geist aufgab und der Verstand drohte durchzudrehen. Also ca. 30 Jahre später als Du. Ich sehe es in Deinen Bildern, dass Dir das alles schon sehr lange vertraut ist.

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  2. Zu erfahren, was mir die Angst sagen möchte, wäre sicher eine ausgesprochene Bereicherung, denn sie lebt in mir und begleitet mich überall hin.
    Sie schafft es zwar nicht mehr mich daran zu hindern das Haus zu verlassen, weil ich schon gelernt habe mich einigermassen zu entspannen, doch sie ist da bei allem was ich tue oder nicht tue…..seufz.

    Yoga ist für mich allerdings bislang auch nur eine Körperübung, bei der ich allerdings sehr wohl eine Erleichterung von Ängsten feststellen kann, vorallem z.B. bei der Kobra, die die Brustmuskulatur dehnt und stärkt – also den Bereich, wo die Angst zu spüren ist.

    Aber ich bin noch nicht viel weiter gekommen, denn zuletzt war es die Lehre der Kabbalah mit Prof. Michael Laitman, von der ich mir „Erlösung“ versprach von den vielen anerzogenen und selbst kreierten Vorstellungen von dem Gott des Juden- und Christentums. Und ich nach und nach merke, dass mir das alles absolut nicht gut tut. Weder die Vorstellung davon mit Gott Kontakt zu bekommen, wenn ich versuche seinem Wesen gleich zu werden – was sowieso unrealistisch ist, noch von der Person Jesus Christus, der alle Schuld auf sich nahm, damit wir frei sind.
    Denn frei kann ich nur sein, wenn ich mit mir authentisch bin – das meine ich jedenfalls im Moment – also selber denke und überlege, was richtig und was falsch ist.

    wünsche Dir ein schönes Wochenende, Monika und ganz liebe Grüsse aus Wien
    D.B.

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    1. Vielen Dank für die lieben Grüße. Es ist wunderbar zu sehen, dass du doch tatsächlich gar keine falschen Gedanken hast und somit auch nichts falsch machst. Die Zweifel sind absolut wichtig. Hinterfrage alles und jeden. Auch das, was ich hier schreibe, darf nicht einfach so geglaubt werden. Alles was über andere Menschen oder Schriften zu dir kommt, sind nur Hinweise. Alle zeigen in eine Richtung: nach innen.
      Es wird solange Zweifel geben, bis du irgendwann still werden kannst und bereit bist, wirklich alles geschehen zu lassen und zu vertrauen. Alles auf dieser Welt ist perfekt. Auch du.
      Ich habe die alten Philosophen gelesen, die Bibel, den Koran und viele andere Schriften großer Mystiker und Yogis und natürlich auch Schriften von Buddha. Das hat Jahre gedauert, bis ich alle Zweifel hinter mir lassen und Hingabe zulassen konnte.
      Ich brauchte nicht die Prediger, die etwas versprechen oder von irgendetwas in ferner Zukunft erzählen. Ich brauchte keine Lehrer, die nur neue Konzepte aufstellten und Dinge von mir forderten, die keinen Sinn ergaben.
      Es waren die, die nichts wollten, die sagten, sie wüßten nichts und die direkt aus der Stille sprachen, die jeden Zweifel in mir wegfegten.
      Lies die Schriften, die dich berühren. Einen Abschnitt. Einen Satz. Dann setze dich hin und lausche nach innen, während die weisen Worte in dir wirken. Meditiere darüber und schaue, ob es richtig ist, was du gelesen hast. Wir wissen ganz genau, was wahr ist und was nicht, wenn wir nicht darüber reden.
      Es ist wunderbar. Du bist auf einer schönen Reise und du teilst das mit uns. Alles ist gut, so wie es ist.
      Deshalb habe ich mich dazu entschieden, meine Yogareise aufzuschreiben. Sie ist nichts besonderes und das soll hier aufgezeigt werden. Es soll gezeigt werden, wie trotzdem jeder Schritt fast wie ein Wunder scheint. Alles fügt sich.
      Jeder kann das machen. Da, wo du jetzt bist, bist du genau richtig. Wir sind immer da, wo wir sein sollen. Selbsterforschung ist der einzige Weg, der das deutlich macht.
      Ich finde Yoga so gut, weil es uns bei dieser Reise so sehr unterstützt. Wir sind so ohne Wurzeln geblieben. Haben die Verbundenheit zur Natur verloren und zu dem, was wirklich wichtig ist. Die Übungen helfen hier. Die Öffnung des Körpers. Die Atemtechnik und die Erkenntnis, dass der Atem der König über unseren Verstand ist. Wo der Atem ruhig fließt, gibt es keine Angst und Panik. Das Zurückziehen der Sinne. Die Konzentration und die Meditation. Das gehört alles zusammen und formt Körper und Geist, so dass die Wahrheit irgendwann durchscheinen kann. Aus dir heraus und nicht von außen nach innen. Innen und außen sind gleich. Die heiligen Schriften werden dann ein offenes Buch für dich sein. Liebe Grüße und freue dich auf alles, was kommt, Monika

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      1. Welch wunderbar entspannende Antwort, liebe Monika – vorallem: “ Es wird solange Zweifel geben, bis du irgendwann still werden kannst und bereit bist, wirklich alles geschehen zu lassen und zu vertrauen.“

        Diesen Satz darf ich nicht mehr vergessen, denn ich spürte wie er direkt von oben nach tief unten gliet.

        Vielen lieben Dank, Monika
        Gottes Segen
        und ein schönes Wochenende Dir ❤ ❤ ❤

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