Löschen des Facebook-Accounts

Ich habe festgestellt, dass der Blick in mein Facebook-Konto keinen guten Einfluss mehr auf mein Gemüt hatte. Ursprünglich hatte ich das Konto für den Aufbau des Yogastudios eingerichtet. Als ich das Yogastudio abgab, blieb das Facebook-Konto noch bestehen.
Immer wieder wollte ich es auflösen, stattdessen sind es immer mehr Freunde geworden. Menschen, die ich nie getroffen habe, konnten sehen, was mich beschäftigt.
Nachdem die politische Situation hier immer angespannter wurde und Menschen für das Teilen von Informationen und Meinungen im Internet verhaftet und verurteilt wurden, machte ich aus meinem öffentlichen Konto ein privates. Ich habe auf diesem Wege auch sehr liebenswerte und interessante Menschen kennengelernt. Vor allen Dingen wurde dieses Medium für mich eine Quelle objektiver und wichtiger Informationen, da öffentliche Medien gleich- oder ausgeschaltet wurden.  Diese Informationen wurden plötzlich für mich so wichtig, dass ich mich von ihnen in gewisser Weise abhängig machte. Schon morgens wollte ich (und eigentlich fast jeder hier um mich herum) wissen, ob wieder irgendetwas Schlimmes passiert ist. Gute Nachrichten wurden kaum noch geteilt.

Auch ich fing an, diese schockierenden und traurigen Meldungen selbst zu teilen. Dabei fiel mir auf, dass ich das Schöne um mich herum völlig vergessen habe. Wir lauerten praktisch schon auf diese Schocknachrichten, die uns immer wieder bestätigen sollten, wie schlecht hier alles ist. Dadurch, dass ich in diesem Medium herumsurfte, verlor ich den Kontakt zu dem, was wirklich da und präsent war. Alles, was als traurige Nachricht geteilt wurde, war praktisch schon geschehen und nicht mehr umkehrbar. Aber sie beschäftigte mich ab da im Kopf und in meinem Hier und Jetzt und wenn ich Pech hatte, den ganzen langen Tag. Wenn es ganz üble Nachrichten waren, nahm ich sie noch mit in den Schlaf. Sie beeinflussten mich im Moment und auch in der fiktiven Zukunft. Sie raubten mir meine Energie und Lebensfreude. Mit trüben Blick ging ich durch den Tag und ich musste feststellen, ich hatte an nichts mehr Freude.
Ich sage nicht, dass wir uns nicht informieren sollen. Es ist sehr wichtig, dass wir es tun. Aber wir sollten die Kontrolle darüber behalten, wer uns informiert und wie oft wir uns am Tag informieren. Es sollte keine Sucht werden und auch kein Reflex, der uns alle 10 Minuten zum Telefon oder PC treibt. Wir sollten nicht schon morgens vor dem Frühstück die ganze Welt mit ihren vielen Informationen auf uns laden und auch nicht vor dem Schlafengehen. Alles, was wir lesen, speichert das Gehirn. Wir essen die Nachrichten sozusagen. Noch schlimmer ist es, wenn wir beim Essen die Nachrichten lesen. Dann schaufeln wir uns das Unglück mit der Mahlzeit rein. Das sollte niemand tun.
Ich konnte feststellen, dass einige Kommentare von wildfremden Menschen zu den Berichten und Informationen mich noch viel mehr ärgerten, als die Nachrichten selbst. Die Ignoranz und Dummheit konnte mich auf diesem Weg jeden Tag mehrmals erreichen und es war nicht immer einfach, diesen mit Verständnis oder Gleichgültigkeit zu begegnen. Während die einen Nachrichten teilen, um zu informieren, nutzten andere die Plattform, um sich selbst darzustellen (was ich auch tat)  oder ihren eigenen Hass auf andere zu projizieren. Auch das wollte ich nicht mehr jeden Tag konsumieren.
Ich fing an, Hunderte Freunde zu löschen. Vor allen Dingen diejenigen, die ich gar nicht kannte. Nun waren es nur noch etwas über 340. Und nun? Soll ich jetzt weitermachen mit dem Löschen? Wessen Nachrichten möchte ich lesen und wessen nicht? Wem möchte ich etwas mitteilen und wem nicht? Da ich es mit zwei Kulturen zu tun habe, wäre es doch gut, wenn ich wenigstens den Kontakt zu meinen alten Freunden aus meiner alten Heimat behalte, oder? Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Teilen von Bildern auf Facebook dazu führt, dass wir uns nicht wirklich austauschen oder irre ich mich da? Wenn ich in der alten Heimat bin, dann haben die wenigstens Zeit, sich zu treffen. Und hierher kommt sowieso schon keiner. Zu weit, politisch zu problematisch, zu wenig Zeit und und und. Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun.
Gebe ich jetzt meine echten Freunde auf und wer sind meine echten Freunde? Wer teilt Freud und Leid mit mir? Wer weiß, was mich wirklich beschäftigt und umgekehrt? Besteht vielleicht die Chance auf mehr Kontakt als nur ein Bild auf Facebook mit einem „Like“ darunter, wenn ich das Konto lösche? Vielleicht schreiben wir uns ja wieder Mails und tauschen uns dabei wirklich aus oder man kann ja auch mal über Whatsapp telefonieren?
Ich finde es sehr anstrengend, wenn ein Großteil der Familie zusammen kommt und die meisten mit dem Handy beschäftigt sind. Das tut weh. Es gibt viele Situationen, in denen ich mich frage, was machst du eigentlich hier? Es ist ja keiner wirklich da. Dann fangen wir an, über Dinge zu sprechen, die andere im Internet geteilt haben. Aber was ist mit uns? Wo sind unsere eigenen Meinungen, Ideen und Visionen? Warum bleiben die meisten an den Vorstellungen von Menschen haften, die sie gar nicht kennen? Ich kann doch nicht die Einzige sein, die sich darüber im klaren ist, was da passiert. Sobald ich darauf aufmerksam mache, werde ich angegriffen. Ich weiß, dass sie nicht mich angreifen, sondern wütend darüber sind, dass sie ertappt wurden, aber muss ich das immer wieder aushalten und ertragen?
Ihr merkt schon, ich bin es ziemlich leid und die letzte Konsequenz ist, dieses Spiel nicht mehr mitzumachen und das Konto Ende dieses Monats  zu löschen, um wieder freier zu werden für das, was wirklich HIER ist. Alles andere, was uns von der Präsenz wegführt, schürt nur die Sorgen und Ängste. Ein Blick in den Himmel zeigt, das Leben ist schön.
Alles Liebe, Monika
PS: in der Zeitung „Die Zeit“ lese ich heute: Internetexperte Jaron Lanier fordert in seinem Buch: Löscht eure Facebook- und Twitter-Accounts! Er findet das soziale Medien für negative Gefühle sorgen.
Da bin ich ja wohl voll im Trend 🙂

14 Gedanken zu “Löschen des Facebook-Accounts

  1. Mein FB Account ist noch jung, doch auch ich musste feststellen, dass wahllose Infos weit mehr bedrücken, als das Wohlbefinden zu steigern.
    Habe deshalb nur Seiten aboniert, wo ich sicher sein kann, dass hier positive und warmherzige Menschen dahinter stecken.
    Es ist äusserst wichtig auf sich selbst aufzupassen, um nicht in die Negativität dieser Welt hinunter gezogen zu werden.
    Will mich jetzt mal ein bisschen bei Dir umsehen, um etwas über Yoga zu erfahren – vorallem was die Kontrolle des eigenen Denkapparates angeht, der mir die grössten Probleme bereitet.
    Vielleicht finde ich ja was für mich?
    liebe Grüsse aus Wien
    D.B.

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    1. Liebe D.B., danke für Deinen Kommentar. Schau Dich um und dann wirst Du feststellen, dass dieser Denkapparat unser größtes Problem ist, solange wir glauben, dass wir ihn kontrollieren können. Gedanken tauchen auf, weil unser Gehirn konditioniert ist (genetisch und durch Erziehung). Da können wir nichts machen. Das Wunderbare ist aber, dass wir das gar nicht müssen. Gedanken sind NICHTS. Blasen, die zerplatzen und verschwinden, sobald man sie einfach nur beobachtet und nicht an ihnen anhaftet. Das ist der Schlüssel und kann am besten durchschaut und verstanden werden, wenn man mit der Meditation/Yoga beginnt. Ganz deutlich wird dann, wie gleiche Gedanken immer wieder auftauchen und wie viele es sind. 60.000 bis 80.000 am Tag. Die kann man nicht kontrollieren. Wir sind nicht unsere Gedanken! Es ist so einfach und doch weiß es kaum jemand und viele quälen sich mit Ängsten und Depressionen. So wie ich damals. Weil Du auf der Suche bist und verstehen möchtest, wirst Du sicher bald erkennen, dass Gedanken wie frei fliegende Vögel sind und man sie nur ziehen lassen muss, dann haben sie keine Macht mehr über Dich. Liebe Grüße nach Wien, Monika

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      1. Liebe Monika, vielen lieben Dank für Deine Antwort und die Erklärung, die mir auch sehr verständlich erscheint. Nur leider bin ich gläubige Jüdin, und da kommt es dazu, dass ich mich für negative oder sogar aggressive Gedanken „hasse“. Doch diese häufen sich, seit ich keine Medikamente mehr nehme.
        Meinst Du, dass ich auch solche wirklich unguten Gedanken einfach ziehen lassen kann, ohne den Versuch sie zu analysieren, um herauszufinden, wieso ich so oft dermassen ärgerlich werde?
        Ich weiss, eine seltsame Frage an einen „fremden“ Menschen, doch im Augenblick bin ich für jede Hilfestellung dankbar, denn ich möchte auf keinen Fall mehr in ein Leben vollgepumpt mit Psychopharmaka zurück.
        Liebe Grüsse
        D.B.

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      2. Liebe D.B., der Glaube an Gott ist nur dann ein Hindernis, wenn es beim Glauben bleibt. Das Wort „Glauben“ hat seinen Ursprung in dem Wort „Vertrauen“. Heute glauben viele Menschen aber die meisten haben kein Vertrauen in Gott. Wenn Du Gott vertraust, dann weißt Du auch, dass kein Gedanke negativ sein kann. Alles, was hier ist, kann nicht falsch sein, da es hier – von Gott geschaffen – erscheint.
        Wenn erkannt wird, dass die Gedanken aufgrund unserer Konditionierung (wie bei einem PC, den irgendwer programmiert hat und bei unserem Gehirn sind es nun einmal die Genetik, Evolution und sozialen Umstände) einfach erscheinen, wie kann dann irgendwer dafür verantwortlich sein. Wir haben etwas erlebt und Autobahnen in unserem Gehirn geschaffen, die sich stets wiederholen. Kein Kind kann diese Rillen im Gehirn bewußt eingravieren.
        Als ich das erkannt haben, spielte es für mich keine Rolle mehr, warum die Ängste aufgetaucht sind und was in meiner Kindheit falsch gelaufen ist. Die Angst durfte dann einfach durchziehen. Ich war nicht die Angst.
        Und so könnte es auch bei Dir funktionieren. Du hast Wut. Bis voller Aggressionen. Es gibt einen Grund, warum diese Wut da ist. Dem kannst Du später auch nachgehen. Wichtig ist aber zu erkennen, dass Wut auftaucht und Du an dieser Wut festhängst und die Wut weghaben möchtest und Dir Vorwürfe machst. Die Wut, die als Emotion auftaucht und eigentlich nach 3 Sekunden wieder verschwindet, gewinnt an Macht und Stärke, weil wir sie nicht durchziehen lassen, sondern sie mit Gedanken aufblähen.
        Es ist nur eine Emotion. Ein Gedanke. Wenn man meditiert, kann man genau erkennen, wo die Wut im Körper aufsteigt. Bei meiner Angst war es der Bauch, wo ich sie zuerst gespürt habe. Anschließend stieg sie von dort nach oben bis zur Brust auf.
        Schaue, wann sie kommt. Wo Du sie spürst und dann öffne mit ganzer Liebe zu Dir und zu Gott Dein Herz und gehe in diese Wut hinein. Lass sie aufsteigen und schaue sie dir an. Gib dich diesem Gefühl hin, ohne zu verurteilen und ohne sie weghaben zu wollen und schaue, was passiert.
        Es ist so wunderbar, dies zu erleben. Es wird dich befreien. Vielleicht spielt es dann gar keine Rolle mehr, warum sie aufgetaucht ist. Du wirst merken, dass Du sie nicht mehr brauchst.
        Das kann man üben. Ich habe es auch geschafft. Alles Liebe, Monika

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  2. Du wirst vermutlich nicht einmal erahnen, welche enorme Hilfestellung Du mir mit dieser Antwort gegeben hast, liebe Monika.
    Ich drücke Dich ganz fest im Gedanken, und hoffe von ganzem Herzen, dass Du noch viele, viele schöne Momente haben mögest in Deinem Leben.
    Gottes Segen Dir und Deinen Lieben
    Doris Barbara (D.B.)

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  3. danke Monika,
    den beitrag habe ich erst jetzt bei dir gefunden. du hast das wesentliche zur sprache gebracht.
    hatte in WP oft vor,zu facebook einen beitrag zu posten. was mich davon abhielt ist, daß ich es gar nicht mag und vermeide, wenn in blogs mit ausschließlich negativen schlagzeilen und bildern in griffiger sprache viele follower glauben, mit ihren likes wäre die welt nun eine bessere geworden. das passt zum aspekt, sich von negativen einflüssen fernzuhalten. dazu gehört im besonderen auch das fernsehen,seit januar 2019 bleibt die glotze konsequent aus, seitdem fühle ich mich nicht nur etwas besser, sondern sehr gut.
    am tablet sehe ich gerne arte, kann ein eigenes SEHEN & hören zulassen,ohne gewöhnung an news, katastrophen,.politische und menschliche desaster.
    printmedien wie DER SPIEGEL, STERN o.ä.lese ich seit 40 jahren nicht mehr, bin dennoch keinesfalls unpolitisch oder uninformiert.

    lange bevor ich facebook kennenlernte, hatte ich bereits eine große abneigung, facebook werde die welt der wahrnehmung in einem ausmaß negativ verändern,wo all das in gefahr sei, per flüchtigen klicks zur verflachung von wahrnehmung beizutragen, im leben auch die kommunikation betreffend.

    LG dietmar

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar lieber Dietmar. Das finde ich sehr gut und konsequent, wenn man auf TV und Nachrichtenfluten verzichtet. Ich finde auch, dass diese Zurückhaltung sehr gesund ist. Mir fällt dazu immer eine Geschichte von Ayya Khema ein. Sie sagte, sie hätte mal eine uralte Zeitung unter irgendwelchen Bodenplatten gefunden (kann mich an diese Details nicht mehr erinnern) und den Inhalt dieser alten Zeitung gelesen. Dabei sei ihr aufgefallen, dass die Nachrichten von damals sich überhaupt nicht von denen in der heutigen Zeit unterschieden. Es hat sich nichts geändert. Liebe Grüße, Monika

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      1. froide, den beitrag gefunden und rebloggt zu haben, vieeleicht lässt sich die oder der eine überzeugen, auch auf facebook zu verzichten, entschleunigung ist für mich seit jahren ein wichtiger bereich, obwohl ich ja als rentner zeit im überfluss habe, vermeide ich sinnverlust.
        zeit ist kostbar und nach jahrzehntelangem stress ( im arbeitsleben positiv ), weiß ich den luxus, ZEIT möglichst sinnvoll zu nutzen, immer noch sehr zu schätzen.

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